Der Hönower

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Swiss Alpine Nachlese

Eindrücke vom Swiss Alpine 2007Ich habe mich nun doch entschlossen, noch einmal ausführlicher auf den diesjährigen Swiss Alpine einzugehen. Die Anfragen,die mich erreichten und auch die inzwischen geführten Gespräche, zeugen erstaunlicherweise von großem Interesse.

Also zunächst einmal: So wie ich, sollte man eigentlich nicht an die Sache herangehen. Zwei Monate ohne Langstreckentraining, was ich verletzungsbedingt schleifen lassen musste, nur ca. 4 Wochen eingeschränktes Training – da geht man nicht auf eine ultralange Strecke.

Dass ich überhaupt mit nach Davos unterwegs war, ist den Leuten geschuldet, die mich mit der Teilnahme an diesem Event beschenkten und den beiden Mitstreitern, die alles langfristig vorbereiteten.

So war ich also mit dem (guten) Gewissen am Ort des Geschehens, das ganze Abenteuer auch lediglich touristisch begleiten zu können.
Der lange Kanten über 78 km war für mich tabu, aber den Marathon könnte man ja in Angriff nehmen, wie man den durchsteht, ohne Tempo- und Zeitdruck, das wusste ich.

Erfreulicherweise konnte man in Davos ganz unkompliziert auf den 42km- Alpin-Lauf umsteigen. Ein freundliches „Ja, natürlich“, zwei Klicks im Computer, ein abschließendes „Viel Erfolg“ und schon war alles erledigt. Ohne “deutsche Gründlichkeit”, mit 27 Ummeldeformularen, Genehmigungsstempeln und womöglich noch Ummeldegebühren.

Eine Anreise einige Tage vor dem Lauf ist unbedingt empfehlenswert, schon wegen der Höhe. Davos selbst liegt ungefähr auf 1.540 m über NN, beim Lauf bewegt man sich auf Höhen über 2.600m in alpinem Gelände.davos1.JPG
So starteten wir also bereits drei Tage vor dem Lauf mit dem Flieger von Berlin nach Zürich, von dort unkompliziert mit der Bahn direkt nach Davos. Das Bahnticket, sowie eine Regiocard für die Zeit unseres Aufenthaltes war übrigens in den Startgebühren mit enthalten, liebe Marathonveranstalter in Deutschland!

Die Zeit vor dem Lauf nutzten wir auch zu Aufenthalten in Höhen über 2.500 m Höhe, durch die diversen Bergbahnen in und um Davos (übrigens auch kostenlos nutzbar) überhaupt kein Problem.

Start (für den K78) und Ziel (für alle Laufstrecken) befanden sich direkt im Davoser Sportzentrum, zentral gelegen und auch von Zuschauern und Fans nutzbar, die das Geschehen von den unterschiedlichen Streckenabschnitten live an einer großen Videowand mit verfolgen konnten.

Da ich mich für den K42 entschieden hatte, fuhr ich frühmorgens mit der Bahn zum Startort Bergün, einem malerisch gelegenen Dorf im Davoser Umland. Hier mussten auch die Matadoren des langen Kantens durch, die dort immerhin schon 36 km bergauf und bergab in den Beinen hatten.startvorbereitungen-bergun.JPG

Start war um halb zwölf, die Hitze sowie Luftfeuchtigkeit war schon sehr unangenehm, was man den vorbeilaufenden K78-Läufern teilweise auch deutlich ansah.
Von nun an ging es 15 km nur bergauf, von ca. 1.380m auf 2.630m zur Keschhütte. Von hier aus hatte man einen fantastischen Ausblick auf die umliegende Gletscherlandschaft am Piz Kesch.
Anschließend ging es sehr unangenehm bergab. Und als besondere Quälerei für die Marathonläufer wurde vom Panoramatrail noch abgebogen und es ging noch ca. 300m tiefer als auf der langen Strecke.am-scalettaspass.JPGDas musste man dann allerdings bis zur Streckenvereinigung kurz vor dem Scalettapass (2.606m) in engen Serpentinen wieder bergauf bewältigen.
Dazu kam dann der angekündigte Wetterumschwung mit Gewitter, Eisregen und Wind auf diesem Abschnitt. Auch hier waren die Organisatoren bestens vorbereitet und verteilten Schutzfolien an die Läufer, die doch keine Regenjacken mitgenommen hatten.
Am Scalettapass wurde zudem fast jeder vom Streckenarzt in Augenschein genommen, bevor es auf den steilen Abstieg Richtung Dürrboden ging.
Hier, ca. 14 km vor dem Ziel, konnte man rasten, sich massieren lassen und dann den letzten Abschnitt in Angriff nehmen. Nun konnte auch wieder gelaufen werden, die Wege wurden allmählich wieder besser und schlängelten sich immer leicht bergab zurück nach Davos.
Vier km vor dem Ziel war noch eine kleine Gemeinheit eingebaut. Statt schnurstracks nach Davos einzulaufen, ging es plötzlich noch einmal zurück in den Bergwald bergauf, aber das störte niemanden mehr. Die letzten zwei km durch das Davoser Stadtzentrum und die Zielpassage konnte ich so richtig genießen, auf der Zielgeraden Endorphine pur. Was einem da durch den Kopf geht, ist sowieso nicht für die Öffentlichkeit und weiß außer mir auch nur eine einzige Person.

nach-getaner-arbeit3.JPGAnschließend die Kumpels in Empfang nehmen, die zehn oder elf Stunden auf der langen Strecke beschäftigt waren und dann Regeneration.
Ein Laufkamerad aus Brandenburg meinte kurz nach seiner Ankunft: “Nie wieder! So eine Quälerei.“ Ob er seine Meinung mit etwas Abstand schon revidiert hat?

nach-getaner-arbeit.JPG nach-getaner-arbeit2.JPG nach-getaner-arbeit4.JPG
Ich jedenfalls muss nochmal auf die lange Strecke. Dann hoffentlich gut vorbereitet.

Wer weitere visuelle Eindrücke vom Lauftag haben möchte, schaue hier.

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3 Kommentare

  1. Der Laufkamerad aus Brandenburg hat sich schon wieder korrigiert! Man sollte nach so einer Strapaze (die war es wirklich) keinen Kommentar abgeben. Swiss Alpine war ein grandioses Abenteuer!!!

  2. Hallo Detlev, ich denke die Strapazen werden bald vergessen sein und die tollen Eindrücke bleiben. Aber man soll niemals nie sagen. Bis bald einmal auf irgendeiner Laufstrecke!

  3. Hallo Hönower,

    vielen Dank für die herrlichen Einblicke in einen der schönsten Naturläufe.
    Nach dem Lesen würde ich am liebsten gleich die Anmeldung tätigen.
    Natürlich nur K42, denn der Große erfordert für mich ca.10 Jahre Lauferfahrung und sehr viel Vorbereitungszeit.
    Dieser Start will gut überlegt sein.

    Hier die Ergebnisse K78 von 2007 ( Platz 33 )

    http://www.swissalpine.ch/cms/download.php?f=d919e7113ef29c58b46d5b2ad3c06e14

    Viele Grüße
    Wandelbegleiter