Der Hönower

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Ultralauf in den böhmischen Bergen

Brdska Stezka, 50km ECU-Lauf, 5. April 2008
mnisek-start-080405.jpgWer an Ausflüge in unser tschechisches Nachbarland denkt, hat zumeist Assoziationen, wie böhmisches Bier, Gulasch und Knödel oder auch Bummeln durch die Goldene Stadt. Selten jedoch kommt man auf einen Laufwettkampf durch die bergigen Wälder Böhmens.

Seit 15 Jahren gibt es nun schon den Europacup der Ultramarathone, mit Läufen der verschiedenen Distanzen von 50 bis 100 Kilometern, die in verschiedenen Ländern (Schweiz, Slowenien, Österreich, Tschechien und Deutschland) durchgeführt werden. Stets beteiligt waren der Rennsteiglauf (73km), die Bieler Laufnacht (100km) und der Schwäbisch-Alb-Marathon (50km), Hinzu kamen später der 75km-Lauf von Celje und der Wachau-Marathon (52km).
Tschechien ist mit dem “Brdska Stezka“, einem 50km-Ultralauf durch den böhmischen Gebirgswald, bereits zum 7. Male dabei. Und mittlerweile ist es fast schon Tradition, dass die Tschechen in jedem Jahr den Auftakt dieser Laufserie vollziehen.

Drei dieser sechs Ultraläufe muss man in einer Serie von April bis Oktober mindestens bewältigt haben, um in die Europacup-Wertung zu kommen.

Da bietet es sich an, den „Frühjahrs-Dreier“ zu wagen. In diesem Fall hat man neben dem tschechischen Ultra auch den langen Kanten beim GutsMuths-Rennsteiglauf und die 100km durch die Nacht in Biel bewältigen. Und wenn es tatsächlich einmal nicht richtig klappen sollte, so ist immer noch die Möglichkeit gegeben, im Herbst nachzubessern.

Also auf nach Mnisek pod Brdy. Zirka 40km südwestlich von Prag gelegen und mit Bahn und Auto gut erreichbar.
Erstaunlich, was sich in Prag und Umgebung in den letzten Jahren verändert hat. Die Baubranche boomt, jedes Jahr neue Autobahnabschnitte, viele neue und modernisierte Gebäude, liebevoll rekonstruierte geschichtsträchtige Bauten und mittlerweile auch direkt in Prag Entlastung für die bisher ständig verstopften Magistralen.
mnisek-pod-brdy-mit-schlos.jpgAm Ziel der Reise erwartete uns dann ein kleines, verschlafenes Städtchen mit einer schönen Umgebung und einigen aufstrebenden touristischen Glanzlichtern; ein mittelständisches Elektro-Unternehmen, das die gesamte Laufveranstaltung trägt und mit viel Engagement und Umsicht gestaltet; läuferisch: ein durchaus bergiger Kurs, mit vielen Anstiegen und einigen giftigen Bergab-Passagen, die nicht ganz einfach zu bewältigen sind.
Leider war das Starterfeld in diesem Jahr doch arg dezimiert (nur ungefähr 150 Sportler traten an), was höchstwahrscheinlich den Querelen im Vorfeld der Veranstaltung geschuldet war.

Zu viert, mit dem Auto, Freitagnachmittag durch Prag -was neuerdings überhaupt kein Problem mehr zu sein scheint- und dann weiter auf der Autobahn Richtung Dobris.

ultras-aus-honow-und-berlin.jpgAm Abend Startunterlagen abholen, Quartier beziehen, noch was essen und auch schon einmal ein böhmisches Bier kosten. Und die Berliner Freunde sind auch schon da, lassen es sich in derselben Kneipe schmecken.

Samstagfrüh zunächst der Blick zum Himmel: Glück gehabt! Gestern regnete es, heute Sonnenschein pur, dafür lausig kalt. Egal, Hauptsache trocken. Ab zum Startort, weitere bekannte Gesichter sind eingetroffen, auch neue Laufbekanntschaften werden geknüpft. Fotos werden geschossen.

Pünktlich um acht fällt der Startschuss. Der Pulk setzt sich in Bewegung. Zunächst entgegengesetzt bis zu einer Wendeschleife, zurück zum Startpunkt (in den ersten Jahren war die Strecke wohl doch etwas zu kurz) , dann erst über die Autobahnbrücke nach Ritka, einem kleinen Vorort mit vielen neuen Eigenheimen.

am-start.JPG auf-den-ersten-kilometern.JPG gleich-gehts-bergauf.JPG

an-der-strecke.JPGDann durch dörfliche Idylle, sachte bergauf. Nun geht es in den Bergwald. An den ersten Anstiegen wird einem sofort warm. Das Tempo nicht zu hoch wählen, der Weg ist weit!
Auf dem Hochplateau sieht man, dass die Stürme auch hier ihre Wirkung voll entfaltet haben. Ganze Areale sind mit umgeknickten Bäumen übersäht. Zwischendurch immer wieder Ausblicke in die weite Ferne.
Hier in den Wäldern von Mnisek pod Brdy sollen die amerikanischen Raketenabwehrsysteme stationiert werden. Dann wäre es wohl vorbei mit der ländlichen Idylle, mit den neu entstandenen Ausflugsgaststätten und dem prima ausgebauten Radwandernetz. Und wohl auch mit diesem Lauf.
Tschechische Bürgerbewegungen laufen seit geraumer Zeit Sturm gegen diese Pläne. Ich hoffe sehr, sie haben Erfolg.

Die nächsten Kilometer immer bergauf, bergab, nach ca. 22km ist der höchste Punkt der Strecke (606m) erreicht. Nun geht es steil bergab, hier muss man vorsichtig laufen.
Weiter, zum südlichsten Punkt der Strecke, nach Dobris. Irgendwo, ganz in der Nähe ist eine Treibjagd im Gange, die werden doch wohl nicht uns meinen?
im-bohmerwald.JPGIch nehme auf der zweiten Hälfte Tempo raus, fotografiere an vielen Stellen, werde auch von anderen Läufern um Fotos gebeten (man trifft sich ja im Ziel und kann die Mailanschriften austauschen) und dann ist nach dem letzten kräfteraubenden Anstieg das Städtchen Mnisek wieder zu sehen.
Nun nur noch vier km bergab, durch den dunklen Autobahntunnel schnurstracks zum Ziel.
Uwe ist schon lange da, er kommt mir auf den letzten Metern entgegen und fotografiert.
Im Ziel wartet Helma auf ihren Mann, der auch bald eintrudelt. Sie schießt Fotos von den Bekannten.
Mich hat sie gerade verpasst. So laufe ich „extra für die Presse“ nochmal ein Stück zurück und ein zweites Mal über die Ziellinie.
Willi ist auch bereits angekommen, wenig später erscheint Rainer, glücksstrahlend! Es ist sein erster großer Wettkampflauf nach langwieriger Verletzung.
Nach Dusche und Mittagessen dann gemeinsame Siegerehrung. Natürlich auf tschechisch, wir verstehen teilweise nur Bahnhof.
wuhleflitzer.jpgAber immerhin: Auch ein Berliner wird zur Siegerehrung gerufen. Andreas Panthen (unter Insidern als der „Wuhleflitzer“ bekannt) belegt in der hervorragenden Zeit von 3 Stunden und 42 Minuten insgesamt den 7. Platz und wird Dritter in seiner Altersklasse. Respekt! Glückwunsch!!!
Unsere Zeiten hatte ich bereits in der Vorabinformation veröffentlicht. Ein offizielles Ergebnisprotokoll ist leider bis heute noch nicht zu bekommen.

Abends dann gibt’s das redlich verdiente „Siegerbier“.

Sonntagmorgen: Es ist kalt, es regnet in Strömen. Auf der Rückfahrt geraten wir in das hoffentlich letzte Schneegestöber dieses Frühjahrs.

Der Rennsteiglauf kann kommen! Rainer entscheidet spontan, für den Supermarathon zu melden. Und nach Biel kommt er nun auch mit.
Union hat 3:0 in Essen gewonnen!
Alles wird gut!

Nachtrag 13.04.08: Und nun auch die offizielle Ergebnisliste. Vielen Dank für Eure Unterstützung.

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7 Kommentare

  1. Hallo Norbert, ich bin wohl die erste, die den Bericht gelesen hat. Hier noch mal herzlichen Glückwunsch zum Finish und Dank für den Bericht!
    Alles Gute, dass mit dem SM und Biel klappt!
    LG Ramona

  2. Hallo Norbert,
    ein wirklich schöner Bericht. Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Leistung! Und natürlich wünsche ich dir auch ganz viel Erfolg auf`m Rennsteig und in Biel!
    LG
    Petra

  3. Super Bericht – denk mal bitte an die restlichen Fotos.

    Gruß
    Willi (Schildkröte)

  4. da kann man nur neidisch gratulieren… weiter so!!

  5. Hallo Hönower,

    danke für den schönen, informativen Bericht und die tollen Bilder. Sie sind ja ein Schreibtalent.

    Schönes Wochenende und viele Grüße
    Wandelbegleiter

    P.S. Hier die Ergebnisse:

    http://www.beh.cz/vysledky/20080405_mnisekpodbrdy.htm

  6. Meinen Glückwunsch für das Läufchen und den schönen Bericht! Danke dafür, könnte man ja echt ins Auge fassen für das nächste Jahr :o)

    Gruss Tommi

  7. Hallo Norbert,

    von mir natürlich auch die besten Glückwünsche. Mit meinen Wettkampfstrecken komme ich mir ja langsam albern vor. Es sieht ja langsam so aus, als wäre ein Marathon gerade mal eine bessere Trainingseinheit für dich ;) .

    Viele Grüße und viel Erfolg.

    Andreas