Der Hönower

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Rennsteiglauf 2008

km71.jpgMein persönliches Fazit dieses Laufes kann ich ganz kurz fassen: Es lohnt immer wieder, beim traditionellen Rennsteiglauf an den Start zu gehen. Einzigartig die Strecke, die Landschaft; bestens organisiert und durchgeführt von den Thüringer Sportvereinen unter Federführung der Rennsteiglauf-Offiziellen, immer wieder neu und erlebnisreich, was Eindrücke und Erfahrungen betrifft, immer wieder schön, die Freunde und Bekannten der Laufszene zu sehen und zu treffen. Und nach dem Lauf dann die wohl schönste Läuferparty weit und breit.
Selbstverständlich, es gehört schon eine intensive Vorbereitung dazu, sowohl körperlich, wie mental, um sich dieser Strapaze zu stellen und diese dann auch erfolgreich zu bewältigen.
Aber der Reihe nach.

Mein Rennsteiglauf-Resümee

Nun ist wieder Normalität eingezogen, Arbeitsalltag und gewohnter Tagetrott. Mit etwas Abstand lässt sich nun weitaus besser reflektieren, was da am Wochenende im Thüringer Wald tatsächlich abging.
Eigentlich nichts ungewöhnliches, eher vertrautes, denn es war Rennsteiglauf-Wochenende.
Ich war immerhin zum 16. Male am Start, seit 1987, zwischendurch mit Unterbrechungen, die zumeist beruflich bedingt waren. Und ein einziges Mal habe ich den Lauf auf der ultralangen Strecke nicht beenden können, das war 1995.
Aber eben doch ungewöhnlich, denn auch das können viele Rennsteigläufer bestätigen, jeder Lauf ist anders!

In diesem Jahr stand für mich persönlich die Devise an, nicht zu schnell zu laufen, auf keinen Fall die letzten Kraftreserven zu mobilisieren, denn schon vier Wochen später folgt mit dem 100km-Lauf, durch die Nacht in Biel, der dritte Ultralauf dieses Frühjahrs. Und auch meinen beiden Mitstreitern, Rainer und Willi ging es ähnlich. Wir werden auch diesen Laufklassiker gemeinsam in Angriff nehmen.

Nun aber zum Rennsteiglauf.
Alles begann schon vor längerer Zeit mit der Hiobsbotschaft, dass das vorgesehene Hotel in Eisenach bereits ausgebucht war. So mussten wir uns anderweitig umsehen und Dank Petras Unterstützung kamen wir in Neustadt (exakt am km 29 der Marathonstrecke) unter, reisten schließlich mit zehn Leuten an. Neustadt liegt strategisch einigermaßen günstig, man kommt mit Auto und auch mit den vom Veranstalter bereitgestellten Bussen relativ gut in die Startorte (Oberhof, Neuhaus, Eisenach) und vom Zielort Schmiedefeld sind es dann am Abend auch nur ca. zehn km.

Start beim Supermarathon, früh sechs Uhr, heißt: Um drei Uhr aufstehen, frühstücken, nach Eisenach fahren (diesmal nicht mit dem Bus, sondern Willi wollte unbedingt selbst mit dem, Auto fahren, was uns ungefähr zusätzlich10 Minuten längeren Schlaf brachte), halb sechs in Eisenach mit den Startvorbereitungen beginnen. 1800 Rennsteigläufer stehen zu einer Tageszeit auf dem Marktplatz, wo nebenan aus den Kneipen gerade die volltrunkenen studentischen Burschenschaften rausfallen.

Und (fast) alle aus der Laufszene sind wieder da: Ramona, mit ihren Streakrunner-Freunden, Detlev aus Brandenburg mit seinem Laufverein (diesmal lief er den Ultra gemeinsam mit seiner Frau – herzlichen Glückwunsch euch beiden!!!) die Friedrichsfelder, die mit Neuling Gabi vertreten waren, Andreas aus Berlin, der unbedingt die 6h-Marke knacken wollte, Hans-Jürgen aus Pasewalk, Roland Winkler, und und und …
Bärbel und Uwe verabschiedeten sich dann bald und reihten sich vorn ein, während wir (Rainer , Willi und ich) doch eher aus hinterer Position ganz gemächlich auf die Piste gingen.

Es ist schon angenehm warm früh um sechs. Die Karawane schlängelt sich durch Eisenachs Straßen hinaus in den Wald zum Rennsteig hinauf. Vorbei am Burschenschaftsdenkmal, durch Wiesen und Wälder immer bergauf. Gleich auf den ersten Kilometern kommt man ins Schwitzen. Die erste Getränkestelle wird dankend angenommen. Endlich, an der Hohen Sonne ist der Kammweg erreicht. Nun geht es etliche Kilometer auf welligem Terrain weiter, immer leicht aufwärts. Das Laufen fällt leicht. Erst recht, als dann leichter Nieselregen einsetzt. Nur nicht zu schnell angehen, ist meine Devise. Und so laufen wir zu dritt Richtung Venetianerstein und Inselsberg. Der Regen verstärkt sich, wir stülpen unsere „Plastenerze“ über. Die Wege sind aufgeweicht und glitschig geworden. Die Anstiege werden wieder steiler. Plötzlich meint jemand: „Jetzt schunkeln sie in Neuhaus den Schneewalzer“. Ich kann mich gut erinnern, wie kurz vor neun beim Start zum Rennsteig-Marathon durch die Marathon-Läufer die Ultras gefeiert wurden, die da schon fast drei Stunden unterwegs sind.
Und diesmal steht dort auch Kai am Start, zu seinem ersten Rennsteig-Marathon. Er hat sich mit Petra verabredet, beide wollen ein Stückchen gemeinsam laufen.

Letzter Anstieg vor dem Inselsberg. Der Regen hat nachgelassen. Fotos werden geschossen. Kurz darauf geht’s steil bergab zum Brotteroder Verpflegungspunkt am Kleinen Inselsberg.
Hier gibt’s nun auch den legendären Haferschleim, der auf der Strecke in verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten wird. Die Verpflegung ist wie immer phänomenal. Neben den absolut lauftypischen Dingen, wie Wasser, Äpfel, Bananen, Rosinen, gibt es beim Rennsteiglauf auch warmen Tee, Cola belegte Brote und eben den berühmten leicht verdaulichen Schleim. Sogar heiße Würstchen und Thüringer Bratwurst sind an der Ebertswiese im Angebot … (aber wohl eher für die Wanderer).

Etwas weiter stoßen auch die Walker, aus Schnepfenthal kommend, auf die Strecke. Bis zum Grenzadler in Oberhof sind sie nun (grüppchenweise) unsere ständigen Begleiter. Toll, was da einige leisten! Immerhin sind sie auch über 35km unterwegs.

Unterwegs immer wieder Begegnungen mit Fußballfreunden (Unioner Thomas , aus Dresden, aus München, ein Brandenburger im “Totti“-Trikot), die mich wegen der Union-Fahne ansprechen und mit denen ich kilometerlange Wege gemeinsam zurücklege.
Sonja, die Wuhletalläuferin, läuft kurz vor der Ebertswiese (hier ist Halbzeit: km 37,5) auf.
Sie hat sich kurzentschlossen auf die lange Strecke umgemeldet, will den Rennsteig einmal von dieser Seite her genießen.
„Hallo, der Hönower“, ruft sie. Wir kommen gleich ins Gespräch und freuen uns schon auf die abendliche Fete im Schmiedefelder Festzelt.

Rainer hat sich zwischenzeitlich zurückfallen lassen. Willi und ich laufen gemeinsam gleichmäßiges Tempo. An den härteren Anstiegen, wie an der Schmalkalder Loibe und am Sperrhügel, wird natürlich auch einmal gegangen. Es hat sich inzwischen merklich abgekühlt, hier in der Höhe. Für mich aber ideal bei dieser Anstrengung. Ab und zu lugt die wärmende Sonne heraus, die abwechslungreiche Landschaft gewährt tolle Fernblicke.

In Oberhof am Grenzadler (km 54) ist großer Bahnhof. Das Ziel der Walker befindet sich hier, ebenso der Kontroll- und Zeitmesspunkt für uns. Natürlich auch ein riesiges Verpflegungszelt. Wer will, kann hier offiziell aussteigen, bekommt seine Urkunde und Wertung für diesen Laufabschnitt. Selbstverständlich will keiner!
Wer nicht verletzungsbedingt aufgeben muss, der läuft weiter, wenn es mitunter auch schwer fällt. Und einige Anstiege kommen ja noch.
Warme Brühe gibt’s hier. Mit einem Becher Suppe und einem mit Tee in den Händen lasse ich mich auf einen Stuhl plumpsen und vier Hände massieren sofort die harten Waden. Angenehm.
Willi ist inzwischen durch und wieder im Wald Richtung „Großer Beerberg“ davon. Bald darauf hole ich ihn wieder ein.
Mittlerweile weiß ich, dass die avisierte Zielzeit von achteinhalb Stunden wegen meiner Futtererei, Trödelei, Fotomanie nicht mehr zu erreichen ist, wenn ich nicht sofort und nachhaltig beschleunige. Aber gerade das will ich ja nicht. Also zuckeln wir Richtung Beerberg, passieren den höchsten Punkt der Strecke (964m) und am folgenden Verpflegungspunkt ist Willi plötzlich wieder weg. Ich sehe ihn noch einmal am Ausblick auf die Schmücke und dann wieder im Ziel. Ich laufe nun nicht mehr zu ihm auf, sondern mein eigenes gleichmäßiges Tempo weiter, überhole noch etliche Läufer.
Das Kilometerschild 65 wird passiert, am „Mordfleck” geht’s schnell vorbei, der nächste Verpflegungspunkt, der „Bierfleck“ wird angekündigt. Hier wird tatsächlich dunkles Bier ausgeschenkt und etliche nehmen sich die Zeit für einige Schlucke.

Weiter geht’s, zumeist bergab Richtung Schmiedefeld. Bald müsste doch das 70km-Schild kommen. Mein Garmin sagt mir auch, dass es eigentlich schon lange zu sehen sein müsste. Beim letzten Lauf hatte ich es schon verzweifelt gesucht. Diesmal muss ich es doch sehen. Nichts! Wenige Minuten später taucht die große 71 auf. Besonders originell finde ich das zwar nicht, aber scheinbar ist es tatsächlich so gewollt.

Nun nur noch nach Schmiedefeld hinein. Durch den großen Bogen, der den letzten Kilometer einläutet, der erinnert an den flamme rouge bei den Radprofis. Dann die 72, der Stadionsprecher ist schon zu hören.
Auf der Zielgeraden werde auch ich aufgerufen, nun nur noch Freude!

Freude auch nach dem Ziel, denn Kai und Petra sind gerade von der Marathonstrecke rein und auch Willi erwartet mich. Nika und Undine freuen sich mit uns und wenig später auch darüber, dass Rainer gesund und munter eintrudelt.

Ja, alles richtig gemacht! Mir geht’s richtig gut. Das kann so auch noch 27 Kilometer weitergehen, dann in Biel.
Bei 09:05:32 bleibt die Uhr für mich stehen. Keine überragende Zeit, aber ich bin hier auch schon weitaus geschlauchter (und auch schon einmal mit schlechterer Zeit) angekommen. Und auf die kam es diesmal wirklich nicht an.

Viel Zeit noch bis zum Abend im Festzelt. Duschen, Essen, Massage. Viel Freude im Rennsteiglauf-Vereinstreff bei Kaffee und Kuchen. Auch das eine oder andere Köstritzer wird geköpft. Nun lerne ich weitere Läufer persönlich kennen, mit denen ich bisher nur virtuell, im Rennsteiglaufforum, kommunizierte.

Der Abend im Festzelt ist dann ein wie ein weiterer Marathon. Prallgefüllt und Stimmung bis zum Abwinken. Selbst vor dem Zelt wird getanzt.
Wir haben diesmal für die Aktiven des Rennsteiglaufforums einen gesonderten Tisch organisiert und können erstmals gemeinsam feiern.
So kann man sich doch noch etwas kennenlernen. Und diese tollen Typen, die seit geraumer Zeit aktiv im Forum mittun, von Angesicht zu Angesicht, das ist schon wunderbar. Ich denke und hoffe, hier ist eine neue Tradition geboren!

An Unterhaltung ist bei dem Krach kaum zu denken. Alles tanzt auf Bänken und Tischen, mit einer Hingabe, als wenn die sich alle drei Tage lang ausgeruht, und nicht gerade einen Marathon oder mehr in den Beinen hätten. Aber das ist eben auch Rennsteiglauf!

Alle Ergebnisse findet man hier.

Und mein Fotobeitrag erscheint demnächst auch, versprochen!

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16 Kommentare

  1. Lieber Norbert,

    schön hast Du da erzählt! Ein wenig wie Dabeigewesensein. Ich fände es auch schön, wenn da so eine Art Tradition entsteht im Zelt.

    Dein völlig glückliches Gesicht beim Reinlaufen in Schmiedefeld werde ich sobald nicht vergessen. Das war Happy-Hönower!

    Vielen lieben Dank für die Lektüre,
    Kai

  2. Hallo Norbert,
    ich habe Deinen Bericht mit Gänsehaut gelesen und alles noch einmal erlebt… Naja- nicht den SM, aber alles rundherum…
    Ich würde mich auch freuen, wenn da eine neue Tradition entstehen würde…
    Das liegt allein in unserer Hand!
    Viele Grüße
    Petra

  3. Schöner Bericht, herzlichen Glückwunsch noch mal zu Deiner Leistung! Wir sehen uns in Biel! Freu mich schon drauf!

    Gruß, Ramona

  4. Sehr schöner Bericht und er weckt, wie auch die Berichte von den vielen Anderen, den Drang dort nächstes Jahr zu laufen.

    Glückwunsch und Danke!

    Gruß aus Cuxhaven

    Michael

  5. Begeisternder Bericht, lieber Norbert, als wäre man den ganzen Tag dabei gewesen, was uns dann “nur” am Abend vergönnt war.
    Freue mich auf deine Bilder und unser Wiedersehen in Biel.
    LG Harald

  6. Hallo Norbert,

    also jetzt weiß ich, wo wir uns trafen – auf der Hälfte!!

    Toller Bericht – und alles lebt wieder auf in der Erinnerung. Totti war auch immer um mich rum. Und schade, dass wir uns im Ziel nicht sahen, ich war nur 10 min schneller , das wäre ein schönes Gruppenfoto gewesen.

    Also bis zum nächsten Mal (aber nicht Biel…)

    Sonja

  7. Ich verneige mich mit der größten hochachtung vor solch einer leistung!!!!

  8. Lieber Norbert,
    DANKE für Deinen super Bericht über den “langen”. Ja, natürlich, mit dieser Euphorie, die aus Deinem Bericht sprüht, möchte man schon auch mal an die große Distanz ran. Aber…ich bleibe dem Marathon treu und zolle Dir und jedem anderen “Ultra” meinen ganzen Respekt. Ich wünsche Dir viel Erfolg in Biel und freue mich jetzt schon auf Deine Fori-Tisch-Bilder.
    Liebe Grüße, Evi

  9. Lieber Norbert,

    es war wirklich ein großes Erlebnis. Prima dein Bericht! Er ergänzt die allgemeinen Details zu meinem, mehr emotional geschriebenen, Laufbericht auf unserer Laufgruppenwebseite. Mit dem 70 Km-Schild hatte ich auch meine Probleme. Ich hatte mir vorgenommen an diesem Schild meinen Mann im Stadion anzurufen, um meine Ankunft anzukündigen.
    Schade, dass es nichts geholfen hat, dass du die Union-Fahne mitgeschleppt hast.
    Für Biel wünsche ich dir alles Gute!

    Viele Grüße Gabi Lipfert
    http://www.laufgruppe-friedrichsfelde.de

  10. Pingback: Fotos vom Rennsteiglauf 2008 auch aus Hönow - Der Hönower

  11. @alle: Vielen Dank für Eure Glückwünsche und Euer Interesse.
    Ich habe nun noch einen kleinen Fotobericht erstellt und darüber hinaus noch etliche Fotos, die ich hier nicht veröffentliche, Interessenten aber gern zur Verfügung stelle.

    Viele Grüße

    Norbert

  12. Großartige Leistung und großartiger Bericht! War toll, ihn zu lesen.
    Viele Grüße, Beate

  13. Vielen Dank. Ist ja alles schon gesagt.
    Aus meiner Sicht die beste Werbung, die man für den SM machen kann.

    Viele Grüße, Matthias

  14. Pingback: Der Hönower » Ein wenig Statistik aus Hönow

  15. so ´ne Berichte wie Deiner (und andere auch) sind Schuld, dass ich dieses Jahr auch den langen Kanten versuchen möchte.
    einer von Detlefs Jüngern

  16. Pingback: Der Hönower » Der Rennsteig ruft wieder