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Rennsteigläufer sind die Härtesten

Ein Montag, Mitte Mai, im Thüringer Wald. Die Wege oberhalb von Schmiedefeld sind verwaist. Keine Wanderer, Walker , Radler oder gar Läufer weit und breit. Vereinzelt findet man Pappbecher am Wegesrand. Ein vergessenes Schild lehnt einsam an einem Baum.

„KM 71“ steht drauf.

Von hier waren es vorgestern keine zwei Kilometer bis zum Ziel in Schmiedefeld.
Ab hier konnte (wer noch konnte) den Turbo zünden. Nur noch bergab, dem Sportplatz entgegen., durch die Gärten und Straßen, hinein in die jubelnden Massen, die jeden Ankömmling frenetisch feierten. Ab hier hörte man schon die Musik und die Lautsprecherdurchsagen vom Zielgelände. Wusste, dass man ankommt. Ab hier konnte man sich freudig auf die Zielankunft vorbereiten, die durchschwitzten Klamotten für das Zielfoto richten, das Siegerlächeln schon mal üben.
Und Sieger sind sie alle, die 1.903 Bezwinger der Königsstrecke von Eisenach nach Schmiedefeld, die 3.127 Marathon-Helden, die von Neuhaus nach Schmiedefeld unterwegs waren, die 6.058 erfolgreichen Läufer auf der Halbmarathonstrecke von Oberhof nach Schmiedefeld und natürlich auch die mehr als 3.500 Wanderer, Walker, Handbiker und Junior- und Spezialcrossläufer.

Es ist immer wieder eine logistische Meisterleistung, diese Ströme zu lenken und ohne Probleme ins Ziel zu bringen. Ganz Thüringen scheint auf den Beinen, um den Sportlern beste Bedingungen zu bieten. Viele örtliche Sportvereine sichern mit Mann und Maus die umfangreichen Verpflegungsstellen, bringen alle Produkte aus den Dörfern in den Wald an die Strecke, sorgen rechtzeitig für Nachschub und räumen anschließend auch gleich wieder auf. Auch das Präparieren der Strecken wird von diesen Helfern durchgeführt. Da ist genug zu tun. Es ist schließlich ein Crosslauf; „Europas größter Cross“; und die Gewitterregen der vorherigen Tage hatten dem Parcour stellenweise erheblich zugesetzt.

Die Busunternehmen fahren ab nachts um drei alle möglichen Stellen ab um die Sportler rechtzeitig an die Startorte zu bringen; chauffieren sie nachmittags und abends wieder zurück (sofern sie nicht im Zielort feiern möchten).

Das Organisationsteam des Rennsteiglaufes hatte alles hervorragend bis ins letzte Detail geplant und durchgeführt.
Überall spürte man Sachkenntnis, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit. Sei es beim Nachmelden oder Ummelden, bei der Versorgung im Ziel oder auch beim bestens organisierten Urkunden-Sofortdruck.

An dieser Stelle einmal ein ganz großes und herzliches Dankeschön an alle Organisatoren und Helfer. Ohne euch und euren tollen Einsatz wäre dieser Lauf nicht das, was er ist!

Zurück zum Kilometerschild. Während am Freitag überall im Thüringer Wald die Hotels und Pensionen ausgebucht waren, scheint jetzt schon wieder Tristesse eingezogen zu sein. Selbst am Rennsteiglaufhotel „Endspurt“ findet man lediglich ein Zettelchen, dass in den kommenden zwei Tagen geschlossen ist. Der Zielort Schmiedefeld wirkt wie ausgestorben.
Dabei hätte es sich doch angeboten, in dieser „Kurzwoche“ noch einige Tage in Thüringen zu verbringen

Nur in der Rennsteiglauf-Geschäftsstelle herrscht emsiges Treiben. Na klar, auch nach dem Lauf ist genug zu tun. Und dann gibt es ja auch noch die Nachzügler, die die Bestellung der Ergebnis- und Foto-CD nicht rechtzeitig fertig brachten.

Nachsatz: Klar, bin auch ich wieder ins Ziel gekommen. Nach etwas mehr als 7 Stunden auf der Marathonstrecke. Mehr humpelnd als gehend.
Möönsch Doc, das mit der verschleppten Knöchelfraktur hättste mir doch auch einige Tage eher mitteilen können…

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3 Kommentare

  1. Es war wieder wunderschön am Rennsteig. Vom Wetter angefangen bis über die liebevolle Betreuung (auch wenn ich kein stilles Wasser und Brühe bekam – aber was macht das schon) bis zum Treffen vieler Freunde und Feiern im Festzelt (wo ich wenigstens den Anfang mitbekam). Deshalb hab ich auch schon für’s nächste Jahr gemeldet. Wir treffen uns dann in Eisenach, Norbert! Versprich, dass Du kommst! :)

    Viele Grüße auch an Deine Frau und erholt Euch gut!
    Ramona

  2. hast du dir das Schild wenigstens als Andenken mitgenommen? ich hätts getan… ;-)

  3. @Ramona: Vielen Dank und “Versprochen”, zumindest in Schmiedefeld!

    @Sven: Das Schild muss in Thüringen bleiben, ich will doch dort nächstes Jahr wieder daran vorbei laufen. Das 70km-Schild muss auch schon jemand geklaut haben …