Der Hönower

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In den Fußball-Niederungen

Mit Freude vernahm ich kürzlich die Nachricht, dass sich mein Jüngster nun doch wieder aktiv dem Fußballsport widmet.
Er hatte als Kind und Jugendlicher durchaus das Talent, den leistungssportlichen Weg zu beschreiten, selbst die Späher meines 1. FC Wundervoll interessierten sich eine Zeit lang für ihn.
Als sechsjähriger fing er beim SC Borussia 1920 Friedrichsfelde mit dem Fußballspielen an, wechselte dann später zum SV Bau-Union Berlin und half fleißig mit, die unterschiedlichen Berlin-Ligen in den Kinder- und Jugend-Alterklassen kräftig aufzumischen.
Und ich meistens mit dabei. Bei den Heimspielen auf dem „Zachi“ oder dann auf dem Sportplatz in der Dolgenseestraße; das konnte ich meist mit einer vorherigen Laufeinheit verbinden und war, wie etliche andere Eltern, zum Anpfiff pünktlich an Ort und Stelle. Selbstverständlich auch auswärts. Mit dem Auto voller Fußballknirpse habe ich Anfang und Mitte der Neunziger viele Fußballplätze und Ecken in den westlichen Stadtbezirken, von Kladow bis Lübars kennengelernt; in diese Gegenden wäre ich wahrscheinlich ansonsten bis heute nicht so richtig vorgestoßen.
Es war ne schöne Zeit, meinte auch mein Kleener. Sie errangen diverse Staffelsiege und Pokale, freuten sich miteinander, wollten hoch hinaus. Das ging auch, gut, bis hin zu den A-Jugendlichen. Wie oft zu beobachten, fallen dann selbst erfolgreiche Jugendmannschaften einfach auseinander.
Danach war erst einmal Schluß mit Fußball. Auch zahlreiche, teils erhebliche, Verletzungen, hatten ihren Teil mit dazu beigetragen. Nach Jahren dann wieder erste zaghafte Versuche in einer Freizeitkicker-Truppe.

Nun ist er wieder aktiv, spielt in der 1. Herren-Mannschaft, bei Borussia Friedrichsfelde.
Dieser Berliner Traditionsverein (ehemals BSG Motor Lichtenberg) hat neben einer auf allen Laufstrecken der Welt bekannten und sehr agilen Laufgruppe, im aktuellen Fußballgeschehen eine rasante Talfahrt hinter sich. Vor ein paar Jahren träumten die Vorständler der Abt. Fußball dort noch von dem großen Aufbruch in den höherklassigen Fußball, letztens bekam man zu den Punktspielen der Bezirksliga Berlin nicht einmal mehr 11 Leute für die Mannschaft zusammen.
Einige Freunde und ehemalige Schulkameraden haben sich nun kürzlich bei ihrem Kinder- und Jugend-Verein zurück gemeldet bzw. erneut angemeldet und sichern wenigstens personell den laufenden Spielbetrieb, so dass die Lichter nicht gänzlich ausgingen.

Am letzten Sonntag war dann auch ich wieder einmal im Zachert-Stadion. Fußballer sind ja bekanntlich nicht so die Frühaufsteher. Da kann man vorher noch sein Trainingsläufchen durchziehen und dann gemütlich mit dem Rad nach Friedrichsfelde zuckeln. Mein Kleener hatte mich eingeladen. „Komm doch mal wieder mit. Wir sind zwar weit abgeschlagen Tabellenletzter, treten gegen den Vorletzten an und wollen unbedingt endlich einmal gewinnen“ Ich hatte mich dann schnell mal kundig gemacht, Tatsächlich, auch der einst so erfolgreiche SV Nord Wedding 1893 dümpelt mächtig vor sich hin, hatte bisher in der Saison insgesamt acht Punkte errungen.
Und Borussia? 27 Spiele; gewonnen Null; unentschieden: Null; verloren: 27; Torverhältnis: 24: 212! Das ist rekordverdächtig!!! Da holt die Boulevardpresse immer das damalige Elend mit Tasmania Berlin hinterm Ofen hervor, dabei gibt es doch leuchtende und aktuelle Beispiele, gleich um die Ecke!!!

Das Spiel ging leider 5:6 verloren.
Es war heiß an dem Sonntagnachmittag. Die 11 Borussia-Spieler hatten niemanden mehr zum auswechseln. Einige hielten konditionell nicht mit, andere hatten enorme Probleme mit dem Bearbeiten des Spielgeräts.
Die Schiedsrichterin war eine Zumutung. Die „einbestellten“ Linienrichter vollzogen ihren Job lediglich im Radius eines Bierdeckels. Fußballniederung pur!

Mein Kleener spielte, den Umständen entsprechend, einen anständigen „Sechser“. Die Mannschft kämpfte, wortwörtlich bis zum Umfallen.
Jungs, Kopf hoch! Nächstes Jahr, in der Kreisliga wird wieder angegriffen.
Und an alle fußballambitionierten Leser im Umfeld des Zachert-Stadions: Die Herren-Mannschaft des SC Borussia Friedrichsfelde braucht dringend Verstärkung. Meldet euch!

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