Der Hönower

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Das freie Spiel trägt weit

Am Rand. Ganz weit am Rand. Weiter östlich geht es kaum. Dort, wo seinerzeit die Oder über die Deichkrone schwappte. Wo sich nicht nur Fuchs und Hase, sondern auch Biber und Fischotter Gute Nacht sagen. Von Hönow aus fährt man fast eine Stunde Richtung Osten. Über Strausberg, Prötzel, Wriezen. Dann hinein ins Oderbruch. Durch vergessene und fast verlassene Kaffs. Bis es nicht mehr weiter geht. Bis an die Oder.
Zollbrücke Nr. 16.
Hier gibt es Theater. Theater am Rand, eben. Theater auch einmal ganz anders. Keine aufwändigen Inszenierungen. Kulisse den örtlichen Gegebenheiten und der Natur angepasst. Rustikale Besucherbänke. Und Klappstühle, falls der Andrang mal ganz besonders. Air conditioning von den umliegenden Wiesen und Feldern, Trockenklo. “Die charaktervolle Landschaft diktiert die Spielregeln”.
In den Pausen kann man sich – statt mit Sekt und Kaviar und Snacks – mit Schmalzstullen, frischem Brot, Ziegenkäse und Öko-Wein versorgen. Auch eine Bar ist vorhanden, mit einem sehr gut sortierten Whisky-Angebot!
Bretter, die die Welt bedeuten. Überhaupt ist hier fast alles aus Holz. In den Jahren seit 1998 immer wieder erweitert und ausgebaut. Noch längst nicht fertig.
Maximal 200 Besucher fasst das Theater. Man sollte sich anmelden, vorher. Der Geheimtipp hat sich im Laufe der Zeit doch schon ganz schön herumgesprochen.

Und die Preise, fragt man mich immer mal wieder? Darauf antworten die Hausherren, Thomas Rühmann und Tobias Morgenstern nach der Vorstellung wie folgt:

„Eintritt ist Austritt.
Wir muten Ihnen eine harte Entscheidung zu:
Was ist Ihnen der Abend wert?
Wieviel Zoll sind Sie bereit zu zahlen,
wenn Sie die Brücke begehen
zwischen hier oben und da unten,
zwischen Publikum und Künstlern.
Zwischen Ihrer Gegenwart und unserer Zukunft.
Die Brücke zwischen Ihrem Gewinn und unserem Verlust.
Zwischen Tobias Morgenstern und Thomas Rühmann.
Dieser Abend ist bereits bezahlt.
Von uns beiden.
Wenn Sie einen neuen Abend erleben wollen,
dann zahlen Sie, was dieser Ihnen wert war.
Sie bestimmen den Preis.
Zahlen Sie, was wir brauchen.“

An diesem Wochenende zelebrierten sie das Stück „Mitten in Amerika“; Rühmann, Morgenstern, Bogadtke und die Karusseit. Einfach köstlich, dieses „heitere Stacheldrahtfest in 6 Akten nach dem Roman von E. Annie Proulx zwischen Landmaschinen, Ölquellen, Schweinemast, Windrädern und einem alten Ass aus dem Ärmel“
Und wer immer noch nicht genug hatte, konnte sich im Anschluss den Western-Klassiker True Grit, mit John Wayne in der Hauptrolle, geben. Im Rand-Kino, gleich neben der Bühne.
Mittsommernacht im Oderbruch

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2 Kommentare

  1. ….falls der Andrang mal ganz besonders. <— ich glaube da fehlen noch die Wörter "groß ist" ;-) Ansonsten ein schöner Artikel. Hört sich interessant an, da ich aber kein Auto habe interessiert mich natürlich, ob man da auch mit dem Bummel-Zug hinkommt, oder vielleicht auch mit dem Fahrrad von Hönow aus ;-)

  2. @Sven Zwecks Hin- und Rückfahrt: Mit ÖPNV sehr schwierig; man kommt wohl bis Bad Freienwalde oder Wriezen . Der Veranstalter bietet aber die Gelegenheit, über seine Homepage Mitfahrgelegenheiten zu organisieren.