Der Hönower

immer auf dem Laufenden

Kalkulierte Stimmungsmache

(oder “Stadionverbot für Schmierfinken“)

Das Sommertheater ebbt gerade so langsam ab. Es wird wieder Fußball gespielt. In der Bundesliga zwar erst im Unterhaus, aber immerhin. Schön auch für den Blätterwald, denn damit lassen sich ganze Seiten füllen, die von den Freunden des Ballsports auch gern gelesen werden.

Zwar ist es mitunter etwas schwierig, geeignete Informationen über meinen Lieblingsklub direkt aus der Presse zu erfahren, denn just wenn ein wichtiges Spiel stattfindet oder aktuelle Themen um den Verein eine Rolle spielen, lässt sich entweder gerade Herr Babbel ein neues Tattoo schlitzen oder Pele Wollitz rülpst wieder etwas zu laut.

Wenn ich speziell die von mir oft gelesene Berliner Zeitung und ihre Berichterstattung über unseren Klub betrachte, stelle ich immer wieder fest, dass wir bei weitem eine unterproportionale Rolle spielen. Ganz klar, als zweitklassiger Verein. Selten, dass wir einmal mehr als eine halbe Seite füllen. Kein Problem, soweit.

Am heutigen Tag ist die Seite 14 für Union reserviert. Eigentlich geht es nicht so sehr um Union, sondern um unseren Präsidenten, Dirk Zingler. In seriöser Aufmachung, wie es scheint. Ein vierspaltiger Bericht mit Foto, links ein Kommentar, rechts ein kurzes Interview.
Und dann liest man neben einigen Fakten auch viel suggestives, Der Kommentar versucht Emotionen ins Spiel zu bringen. Rechts zusätzlich noch ein Interview, in der Art,wie man schon viele zu der Thematik las, wenn sich jemand seiner Vergangenheit nicht stellen wollte. Man zündelt mit dem Stasi-Gespenst.

Die Textpassagen sind geschickt gesetzt. Nirgends wird explizit behauptet, dass der Union-Präsident und die DDR-Staatssicherheit etwas miteinander zu tun hatten. Aber unterschwellig liest man es immer heraus. Fast so, als nimmt man billigend in Kauf, dass irgendwas schon hängen bleiben wird.Bei mir setzt sich der Gedanke fest, dass da noch mehr an Halbwahrheiten und Halbwissen nachkommt, dass nur ein erstes Triebwerk gezündet wurde.

Weitere Redaktionen springen auf. Manche machen nur den Guttenberg, andere dichten gerade um, noch andere hauen schon die großen Buchstaben raus. Fatal, wenn man bedenkt, wer alles aus welchen Presseerzeugnissen sein Weltbild zusammenzimmert. Nicht alle dieser Leser können auf die Erfahrungen aus zwei deutschen Staaten, aus unterschiedlichen Gesellschaftssystemen zurückblicken und auch nur ansatzweise begreifen, was für eine Kampagne da losgetreten wird. Gerade bei unserem Verein, dem 1. FC Union Berlin.

Für mich bleibt in dieser Situation festzuhalten:
Fragend: Wer, bitteschön, hat daran Interesse, in unserem Umfeld Unruhe zu stiften, Gerüchte zu schüren, einen Kleinkrieg anzuzetteln?
Und entscheidend: Keinen Cent mehr für die Berliner Zeitung!

Der schwarze Fleck

In der Pflicht

Das Interview, mittlerweile auch auf der offiziellen Vereinsseite

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21 Kommentare

  1. Ich sehe das mit der Stimmungsmache genauso. Irgendwie war es zu lange zu ruhig um den Verein, da muss man doch wieder ein wenig schlechte Stimmung rein bringen. Ich verstehe nur nicht, was die Zeitungen davon haben. Sommerloch? Ich weiß es nicht.
    Die Vorwürfe selbst sind doch eigentlich lächerlich. Genauso wie es in der BRD den Grundwehrdienst gab, gab es diesen auch in der DDR und wer von uns, würde nicht versuchen, einen kleinen Vorteil rauszuholen, wenn man die Pflicht selbst schon nicht umgehen kann.

    • @Sven, das hat mit”Vorteilen” nichts zu tun gehabt. Lies mal die threads im Union-Forum dazu, da steckt viel an Insiderwissen drin.
      Ich selbst könnte Dir Geschichten erzählen, was und wie da ablief. Aber lassen wir das. Hier geht es mir um die schmutzige Wäsche, die da köchelt.

      • Er war 18, konnte nicht absehen, dass die DDR ein paar Jahre Später nicht mehr existiert und hat eine Entscheidung getroffen, die viele so getroffen hätten. Mehr muss ich nicht wissen um zu sagen, dass es nicht wirklich von Interesse für mich ist ;-)

  2. Wie lange ist das jetzt alles her? Gähn. Jeder SS-Mann hat 21 Jahre nach 1945 in aller Ruhe seine Rente verzehrt, denn die Zeit in der SS wird ja bei der Rente anerkannt. Wir werden von Idioten und Verbrechern regiert und lassen uns von Idioten und Verbrechern aufeinander hetzen und vom Wichtigen ablenken.

    • Richtig, @Valli, lange ist es her und in vielen Fällen belanglos. Zumal es dann noch von Schmierfinken “aufgearbeitet” wird, die höchstens aus Schilderungen Dritter nachvollziehen können, was und wie es damals in der DDR lief.
      Dass solche Geschichtchen immer mal wieder hinter dem Ofen hervorgeholt werden, dient oft lediglich zur Kompromittierung von Leuten, die (auch) in heutiger Zeit im Fokus stehen.
      Im speziellen Fall ist das durchaus bemerkenswert, denn der “gemeine Unioner” fährt bei Stasi-Sachen alle Antennen aus, auch geschichtsbedingt.
      Die kolportierte Story, so unwichtig, halbseiden und lächerlich sie auch sein mag, hinterlässt bei vielen, die die Historie nicht oder nur aus eingeschränktem Blickwinkel kennen, einen blöden Beigeschmack. Auch potentielle Sponsoren, zumal wenn sie nicht aus der Region kommen, schauen da eventuell etwas seltsam.
      Nein, im konkreten Fall läuft da was im Hintergrund. Das sagt mir meine Antenne.

      PS: Was die Kompetenz der Regierung betrifft, da halte ich es mit Volker Pipsers. ;-)

  3. Du solltest doch noch mal die Berliner Zeitung lesen. Richtig vermutet, die Demontage geht weiter. Heute meldet sich sogar der Brutus selbst zu Wort.

    • Ich mag ja eigentlich keine anonymen Kommentatoren. Aber ich lasse es mal so stehen. Und hoffe, dass Du nicht hundertprozentig richtig liegst.
      Ja, ich habe den Artikel nun auch gelesen. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass bestimmte Leute ein gesteigertes Interesse daran haben, gezielt und nach altbewährtem Strickmuster eine Rufmordkampagne durchzuziehen.
      Einfach nur ekelhaft.

  4. hier der Link, für alle diejenigen, die nun dieses Hetzblatt nicht mehr kaufen: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0720/sport/0016/index.html

  5. Ich habe diesen Dreck gelesen. Jetzt zitieren die schon aus den Stasi-Akten, um jemanden mit den Beurteilungen der Stasi charakterlich zu diskriminieren! Mielkes Auferstehung. Es ist unglaublich, was hier in diesem Scheißland abgeht.

  6. Ich finde dieses Herumkramen nach einem angeblichen schwarzen Fleck auch unter aller Kanone. Aber hat 2009 danach jemand gefragt? Als sich ein gestandener, erfolgreicher, seriöser Geschäftsmann für Union (Sponsor) eingesetzt hat? Genau DEN kultigen Ost-Verein auf die Sprünge helfen wollte? Ha, ha, da ging ja die Post ab! Sogar von Stasi-Geldern war die Rede! Zum Totlachen. Nun sieht Herr Zingler mal (…ungefähr…) wie sich das anfühlt.

    • Ach Miki,

      dieser Fall ist schon etwas anders gelagert, als der Fall damals bei der ISP. Dort ging es um einen hochrangigen Offizier, hier geht es um einen Menschen, der seinen Grundwehrdienst abgeleistet hat. Hier sollte man differenzieren und nicht alle unter einen Hut stecken.

      • Und dieser wurde mit “Stasi-Spitzeln” usw. unter einen Hut gesteckt. Wer heutzutage beim Geheimdienst arbeitet und im Ausland Spionage betreibt, dafür eine Super-Ausbildung genossen hat, wird bewundert und verfilmt. Wer das für die DDR getan hat- seinem Heimatland- und sich dann nicht hat von den Amis abwerben lassen (Ausbildung ist als sehr gut bekannt) sondern sich sebstständig eine Existenz aufgebaut hat – ohne jedes Geld aus der Ecke- der wird 20 Jahre später verunglimpft. Feine Sache!
        Nun darf sich eben Herr Zingler in einem zugeschnürten Sack wohlfühlen, in den er – auch in meinen Augen- nicht reingehört.
        Aber seine Sprüche- gerade als es um die ISP ging- passen trotzdem mal gar nicht dazu. Aber seine Sache. Er muss ja damit klar kommen.

    • “gestandener, erfolgreicher, seriöser Geschaftsmann” im Zusammenhang mit ISP zu benennen, naja, ick weeß nich ;-)
      Sicherlich lief die Sache damals suboptimal, letztendlich aber in meinen Augen völlig richtig auf eine schnelle Trennung hinaus. Das auch aus dieser Zeit noch “offene Rechnungen” zu begleichen sind, war auch meine erste Idee. Aber ich denke, die Ursachen für die nun kolportierte “Geschichte” und die miese, genüssliche Ausschlachtung läuft auf ganz anderer Ebene. Ich kanns nicht belegen, ist aber meine Meinung.
      Klar, Dirk Zingler ist angreifbar geworden. Morgen präsentiert diese “Pestbeule des Journalismus” sicherlich das Dokument mit der Unterschrift zur Dienstverpflichtung beim WR FD. (Vielleicht hat er auch noch ne Kopie seines Pionierausweises gefunden)
      Aber das muss man gewichtigen können und WOLLEN. Und genau das will dieser Typ und das Pack seinesgleichen nicht. Auch so werden Menschen denunziert, verleumdet, beschädigt, vernichtet.
      Und leider spielen bei diesem unwürdigem Drama wohl auch einige Insider aus dem eigenen Umfeld mit, die den Dolch geschärft haben. Das ist für mich eigentlich die bitterste Erkenntnis.

    • Ich finde es sehr interessant, da wir schon bei der “alten Geschichte” sind, wie unterschiedlich die Unioner Fangemeinde doch reagiert.
      Damals war nach dem ersten Bericht in der Zeitung klar, der Chef des ominösen Sponsors ist definitiv schuldig, die Presse erzählt nur die Wahrheit und Stimmen, man mache Stimmung gegen Union wurden ausgeblendet nach dem Motto “Warum sollte man Stimmung gegen Union machen?”.
      Zwei Jahre später, eine andere und doch ähnlich Situation. Jetzt ist die Fangruppierung plötzlich komplett anderer Meinung. Die Presse berichtet nur Schein-Fakten und gar Lügen und man wollte Union ja nur “Dreck anhängen”. Perfekt, wie man hier mit zweierlei Maß misst und seine Position um komplett 180° drehen kann. Seriös ist etwas komplett anderes.

      PS: Man sollte Presse- und Medienberichte IMMER hinterfragen, egal ob man über “Freund” oder “Feind” berichtet.

      • Ja, so unterschiedlich können Empfindungen sein. Was die “Unioner Fangemeinde” betrifft: Sie reagiert nicht unterschiedlich, aber sehr differenziert. Nur in einem Falle reagiert man einhellig. Wenn es Attacken auf das Wohl des Vereins gibt.

        Auch beim damaligen Gezerre um diesen Sponsor mit den dubiosen Geldquellen gab es sehr differenzierte Meinungen, Herangehensweisen und letztendlich – folgerichtig – eine schnelle Trennung.

        • Das erklärt aber leider noch nicht, warum man in Fall A Medienberichte für bare Münze nimmt und in Fall B als Lug und Trug hinstellt.

          Man sollte vielleicht öfter “differenzieren” ;-)

          • Felix, es wurde (und wird) in beiden “Fällen” differenziert, kontrovers diskutiert, es wurden und werden Meinungen gebildet. Es wurde damals und es wird auch aktuell eine tragfähige, weil mehrheitlich akzeptierte, Entscheidung getroffen. Ist alles nachlesbar, Quellen kann ich bei (ehrlichem) Interesse gern benennen.
            Ach so, der aktuelle “Fall” ist ja nun doch etwas ganz anders gelagert.
            Das weiß sogar dieser freischaffende (und frei drehende) Clown.

            Übrigens, hier werden zwei ähnlich gelagerte Fälle verglichen.

            PS: Ein interessantes Blog hast Du! Danke für die aktuellen Tipps.

  7. Norbert, was läuft da bei Union? Gibt es etwa Parallelen zu den Enthüllungen bei Hansa vor rund zehn -zwölf Jahren, als man bestimmte Personen loswerden wollte, ihnen eine Stasivergangenheit und kriminelle Machenschaften andichtete. Da ging es vor allem um interne Dinge, Befindlichkeiten, gekränkte Eitelkeiten und Profilierungsneurosen.

    Wachregiment bei Felix. das lockt doch keinen mehr hinter dem Ofen hervor. Da lachen doch die Hühner. Kämpft um euren Präsidenten. Bitte! Ihr macht doch sonst fast alles möglich, bei Union.

    PS: Habe gar nicht gewusst, was Berlin noch unter Provinzjournalismus zu leiden hat

  8. Martin, wenn ich genau wüsste, was da läuft, könnte ich es beschreiben, vielleicht auch entschieden dagegen vorgehen. Was hier aber gerade abgeht, ist einerseits ein schleichender Prozess, andererseits ein unaufhaltsamer Selbstläufer. Stasi-”Geschichtchen” verkaufen sich immer noch gut und wenn dann einige dabei noch ihr ureigenstes Süppchen kochen wollen, kann es gut sein, dass so etwas ganz schnell außer Kontrolle gerät. Du hast recht, Wachregiment ist lächerlich. Ich sehe ernsthaft die Gefahr, dass all das, was in den letzten Jahren bei Union und im Umfeld gewachsen ist, den Bach runter gehen kann. Ist nun wirklich bloß eine These, aber Erfahrung und Gefühl lassen alle Alarmglocken schallen.

    Ich hoffe immer noch auf eine eindrucksvolle Manifestation am Samstag im Stadion
    Pro Präsident Dirk Zingler, Pro 1. FC Union Berlin
    Contra Schmieren-Journalismus

    (Falls es dann nicht schon zu spät ist)

    PS. Ich will jetzt nicht Personen glorifizieren, Dazu habe ich gerade bei meinem 1. FC Union schon zu viele Vorsitzende, Präsidenten, Manager, Aufsichtsräte, Glücksritter, Möchtegerne, Aufschneider und auch Idioten kommen und gehen sehen. Aber das Gezerre um die Personalie D.Z. wird eine Zerreissprobe für alle leidenden Unioner werden. Und ich leide jetzt schon, wie ein Hund …

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