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Eisern die Kogge versenkt

Zweite Fußballbundesliga, Saison 2011/2012 16. Spieltag
F.C. Hansa Rostock – 1. FC Union Berlin 2:5
Zuschauer: 14.000 (davon ca. 2.500 Unioner) im Ostseestadion in der DKB-Arena Rostock

Äppelkahn gegen Schnellboot oder auch altersschwacher Fischkutter gegen Ausflugsdampfer, so ungefähr kam es vielen von uns am Freitagabend stellenweise vor. Geniale Spielzüge unserer Helden gegen pomadigen Standfußball der Rostocker Aufsteigerelf, die es in dieser Verfassung schwer haben sollte, dem Brackwasser der dritten Liga zu entgehen.
Eigentlich hätten unsere Helden bereits nach 45 Minuten den in schwerer See krängenden Hansadampfer leck geschlagen haben. Aber wieder einmal wurden drei hundertprozentige Torchancen nicht erfolgreich abgeschlossen. Das änderte sich dann aber rasch. mit einem sicheren 3:0 im Rücken, konnten wir es uns sogar leisten, mit M.Trapp einem weiteren Nachwuchsmann in der Abwehr etwas Spielpraxis zu geben.
Mit dem 2:5 am Schluss waren die Rotocker auch in der Höhe noch gut bedient.

Bedient waren wir auch von dem ganzen Drumherum in der Ostseemetropole. Scheinbar hat es sich bis Rostock noch nicht herumgesprochen, dass es zum Fußballspiel auch Gegner bedarf, ich meine ausdrücklich “Gegner!, nicht “Feinde”. Man hatte jedoch auf Schritt und Tritt den Eindruck, nicht willkommen zu sein. Bürgerkriegsähnliche Zustände in der Stadt, die mit einem riesigen Polizeiaufgebot aufwartete und trotzdem “keinen Plan” hatte.
Schwarze Gestalten, die sich insbesondere an kleinere Gruppen der dem Stadion zustrebenden Unioner heranwagten und Fanutensilien ruppten. Am Stadion selbst waren die Einsatzkräfte total überfordert so dass es am Einlass fast zur Eskalation gekommen wäre.

Das Rostocker Publikum (die paar die noch ins Stadion kamen), passte sich diesem Niveau merklich an. Anscheinend lautet das gewaltigste Schimpfwort in Rostock neuerdings “schwul“. Statt ihr Team anzufeuern brüllten das jedenfalls pausenlos nicht nur die sogenannten Suptras bei fast jeder sich bietenden Gelegenheit, sondern auch der “normale Pöbel” auf den benachbarten Rängen. Solch einen hirnverbrannten “Support” habe ich bisher noch nirgends erlebt.

Grenzwertig dann auch die Aktionen der Ordner und Polizeikräfte nach Spielschluss. Der als Shuttleverkehr angekündigte Rücktransport zum Bahnhof entpuppte sich als Pendelverkehr mit einigen wenigen Bussen. Die Unionfans standen dicht gedrängt an verschlossenen Stadiontoren, von hinten wurde nachgedrückt. Polizei filmte, Ordner standen untätig herum. Ob hier eine Massenpanik billigend in Kauf genommen wäre?

Nicht unerwähnt bleiben soll auch der aus meiner Sicht unsinnige Einsatz von Pyro-Artikeln einiger unserer Fans. Dazu jedoch an anderer Stelle mehr.

Fazit: Zweitligafußball in Rostock ist in etwa so sympathisch wie Fußpilz. Fall diese Truppe absteigt, wird wohl kaum jemand trauern. Und wenn die in die Niederungen des Fußballs verschwinden sollte, auch nicht weiter schlimm. Dann kann sich die Anhängerschaft auf den Dorfsportplätzen endlich gegenseitig aufs Maul hauen und keinen interessiert es mehr!

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8 Kommentare

  1. …. wenn Hansa tatsächlich in den “Niederungen” verschwände … das fände ich schade. Eventuell bin ich Nostalgiker , aber die einzig nahe Verbindung zu Fußballclubs aus der ehe.D.D.R. habe ich zu Hansa Rostock … deshalb ist all dies doppelt schade. EISERN! Matti

    • Ja, Matti, ist schon etwas traurig, was aus diesem Traditionsverein und seinem Anhang geworden ist, Ich habe allerdings auch kaum Hoffnung, dass sich an den Verhältnissen in nächster Zeit irgend etwas ändern wird. Dazu scheint das ganze Umfeld nicht bereit zu sein. Ich konnte vor dem Spiel noch kurz mit einigen Rostockern quatschen. Die meinten, dass selbst die “normalen” fußballinteressierten Anhänger ob der Mehrheitsverhältnisse in den Fanlagern kaum Chancen sehen, dass sich die Szene dort verändert. Und ohne grundlegende Richtungsänderung wäre Hansa wohl nicht auf diesem Niveau halten.

      Diejenigen die dort das Sagen haben, wollen wohl auch nicht anders …

  2. Hi, ich war nicht im Stadion. Habe mir die Tour – rüber nach HRO sinds ja auch 35km – am Freitagnachmittag nicht angetan und gehe in letzter Zeit sowieso eher selten zu Hansa. Das ist keine Fußballatmosphäre mehr. Komm doch mal wieder zum Laufen in den Norden, da hast Du keine Einschränkungen an persönlicher Freiheit zu erwarten. Wie wäre es denn wieder mit Darßmarathon oder Rostock im August? Auch der Marathon am Tollensesee (im Juni) ist sehr schön. Und wir könnten auf der Strecke auch in Ruhe über Fußball quatschen…

    PS: Hansa scheint zur Zeit im freien Fall. Sollen sie am besten die problematischen Fans gleich mitnehmen …

  3. Nachtrag: Habe den Rügenbrückenmarathon im Oktober vergessen, Wolltest Du nicht sowieso mal wieder nach Stralsund???

  4. “Die sind ja nur so, wenn St. Pauli da ist”
    Anscheinend nicht. Mit Traditionen kann man auch mal brechen und dieser Traditionsverein würde mir unter diesen Umständen in keiner Liga fehlen.

    Die Aussagen der Fans, mit denen Sie gesprochen haben, decken sich mit dem, was ich so aus Rostock erfahren habe. Dass der Verein machtlos ist, scheint zu stimmen, die Machtverhältnisse sind ganz klar verteilt. Und auch wer mitjubelt oder es still duldet, macht sich mitschuldig. Daher: kein Mitleid von mir.

    Und deswegen habe ich mich auch besonders über den klaren Sieg der Eisernen gefreut. Ausser gegen uns freut mich jeder Sieg der Eisernen ;)

  5. Pingback: Nachtrag zu Hansa Rostock | St. Pauli News & Social Club

  6. Pingback: Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Post von Tante Kriemhild