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Eiserne Montagsdemo

Zweite Fußballbundesliga, Saison 2011/2012 27. Spieltag
1. FC Union Berlin – Eintracht Frankfurt 0:4
Zuschauer: 16.589 im Stadion An der Alten Försterei (“ausverkauft”)

Nein, ich verliere wirklich nicht gerne. Schon gar nicht im eigenen Wohnzimmer. Erst recht nicht mit 0:4. Und dann noch an einem Montagabend, wo die interessierte Zweitligaöffentlichkeit den Werbesender Spocht1 anstellt und sich vom heimatlichen Sessel aus beömmeln kann, wenn Union mal wieder verliert.
Dass das Spiel vom Ergebnis her so klar und eindeutig, ja brutal, gegen uns verlief, konterkarierte etwas die spielerische Qualität unserer Helden. Aber im Fußball gibts nun mal keine Haltungsnoten, weder für sportliche, noch für künstlerische Darbietungen. Und da unsere “Grobmotoriker” in der inneren Abwehr bereits in der 9. Spielminute das 0:1 tatkräftig mit unterstützten, war auch das taktische Konzept schnell über den Jordan gegangen. Nach dem 0:2 war zudem die Luft raus und unsere Hintermannschaft wurde ein um das andere Mal ausgekontert, wie ein überforderter Amateurverein.
Ich hatte wirklich mehr Gegenwehr erwartet, auch dass der Trainer reagiert und wechselt. Mitunter hatte es den Anschein, dass einzig Torhüter Jan Glinker an diesem Abend in der Lage gewesen wäre, unseren Ehrentreffer zu erzielen. Hat er aber nicht.
So kam also der Auswärtssieg, rspkt. die Heimniederlage, auch “mit freundlicher Unterstützung” zustande: “Diese 0:4-Klatsche wurde Ihnen präsentiert von Uwe Neuhaus, Tusche und Co.”

Immer wieder diese Montagabend-Niederlagen! I Don’t like Mondays hieß es damals gegen die Roten Teufel. Dann, in der vergangenen Sasion die unnötige Pleite gegen die Fürther. Und nun das.

Dieser Montagabend aber, der war etwas besonderes, der wird in Erinnerung bleiben. Nicht nur An der Alten Försterei.

Gäste hatten sich angesagt. “Hilfe, die Hesse komme” – das sind die, die auch vergorene Äpfel trinken ;-) – wurde wieder einmal zum geflügelten Wort. Und Hilfe haben wir zumeist nötig, wenn die ambitionierten Eintracht-Fußballer anrücken. Da war bisher nicht viel zu holen. Auch nicht beim Auswärtsritt im vergangenen Herbst. Und auch damals nicht, im Sommer 2007, als wir endlich wieder im DFB-Pokal ran durften und gegen die Eintracht 1:4 verloren. Aber damals wurden Kontakte geknüpft, die so ganz nie abrissen. Und man freute sich auf ein erneutes Treffen in Berlin. Nee, nicht bei den Blau-weißen, hier bei uns in Köpenick. Ein großer und lautstarker Gästemob hatte sich angekündigt. Klar, nicht nur beim Aufstiegsrennen sind die Hessen reisefreudig. (Einige hatten es ja auch nicht soooo weit, in Berlin gibt es immerhin auch -mindestens- zwei Eintracht-Fangruppen)
Dann die Ansage der DFB-Altherrenriege: Sippenhaft, kollektive Aussperrung, keine Gast-Tickets für die Eintracht-Fans. Als Strafe für Vergehen einiger Eintracht-Anhänger bei anderen Spielen. Ich will das in keinem Falle bagatellisieren. Straftaten, Brutalität, Rücksichtslosigkeit, Diskriminierung – so etwas hat für mich beim Fußball aber auch gar nichts zu suchen! Aber dafür alle büßen zu lassen? Auch die 95% normal-verrückten Fußballfans, mit denen man für gewöhnlich vor dem Spiel noch gemeinsam herumfrozzelnd auf ein Kaltgetränk gehen kann und auch nach dem Spiel wieder? (In der Zwischenzeit ist eben jeder in seinen Block und feuert seine Mannschaft an)

Ich will nicht aus der Schule plaudern. Die Frankfurter wurden waren ordentlich mit Tickets versorgt, waren selbstverständlich mit in unseren Reihen auf der Tribüne dabei. Und machten sich bemerkbar! Sammelten sich dann in der “runden Ecke”. Mit Blickkontakt zum abgeschirmten, gut “beschützten” Gästeblock. Und nach 20 Minuten schallte es aus mehreren tausenden Kehlen “Die Mauer muss weg, die Mauer muss weg”. Gänsehaut pur, wie lange hatte ich diesen Ruf in der Alten Försterei nicht mehr vernommen. Die olle Berliner Mauer war natürlich nicht gemeint, sondern der Zaun zum Gästebereich und für viele von uns ganz klar die Mauer in den Köpfen der DFB-Oberen.

Und so wurde es trotz Niederlage ein stimmungsvoller, gewichtiger Protestabend, zu dem auch die Frankfurter Eintrachtfans ihren Teil beitrugen: Wir lassen uns unseren Fußball nicht kaputt machen. Weder von freidrehenden Chaoten oder Pyromanen, noch von den Schnarchnasen in den DFB-Chefetagen!

Und am Sonntag wird wieder gewonnen, Basta! ;-)

Ein besonderes highlight am späten Abend: Als wir unsere, wie die begossenen Pudel an uns verbeiziehenden Helden mit Applaus verabschiedet hatten, kam es laut und geschlossen aus dem Gästeblock rüber: “Eisern Union, Eisern Union!” Und noch eines: Union Zwee hatte am selben Abend sein Punktspiel gegen “die Nationalmannschaft von Mordor” ;-) (Danke für den Liveticker!!) gewonnen!
PS: Hier lest ihr, wie ein Frankfurter Fußballfan seinen “konspirativen” Auswärtsritt beschreibt. Janz jroßet Kino!

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9 Kommentare

  1. Hach, ich dachte schon du schreibst hier gar nichts mehr ;-) . Joa, war ein schönes Spiel, nur stand ich direkt bei den Frankfurtern, da habe ich mich nicht so wirklich getraut für meine Mannschaft zu schrein ;-)
    Ich hätte übrigens sofort die Tore zum Gästeblock geöffnet, die Sicherheit geht schließlich vor, auch wenn der DFB das nicht gerne gesehen hätte.

    • Lass mal, @Sven. das war schon völlig ok, dass die Tore erst so ab Min. 20 aufgingen.

      Und ein dreckiges, aber erfolgreiches Spiel ist mir dann doch viel lieber, als so eine Packung.

      Aber an dem Abend gin g es auch um etwas ganz anderes …

  2. Klasse, danke Norbert!

  3. Eisern !!!

  4. Ihr kaputten Unioner seid doch immer wieder für eine Überraschung gut. Ich habe mir das Spiel auf Sport1 angeschaut. Dachte zuerst, das wird Krawall geben und Stress auf ganzer Linie,denn die Hessen sind ja mitunter auch nicht gerade zimperlich. Ich kenne zwar keine Einzelheiten, aber was man so mitbekam – habt ihr alles richtig gemacht!!!!

    Schön, wenn so ein Zusammenhalt in der Szene auch in Rostock mal wieder möglich wäre. Aber hier ist Endzeitstimmung angesagt, die Kogge ist am absaufen. Schade, aber wohl größtenteils selbst verschuldetes Elend.
    Lasst euch nicht beirren, geht euren eisernen Weg!

  5. Wollt nicht nur ein like setzen danke dir für diesen wunderbaren beitrag hast mir aus der seele geschrieben gänsehaut pur wenn ich das spiel auch nur am bildschirm verfolgen konnte.Dank an alle die den dfb in den a….. Ge…… Haben!!!!! Deichläufer an dich, wir wissen am aller besten wie ihr euch fühlt die hoffnung stirbt zuletzt. Eisern an alle bleibt so wie ihr seit das passt chon

  6. Pingback: Blogs aus Brandenburg bei ebuzzing.de – Ranking für April 2012 | world wide Brandenburg

  7. wahnsinn, wenn ich daran zurück denke, bekomme ich immer noch eine gänsehaut. was für ein erlebnis. nun ist die eintracht wieder erstklassig – und ich bedaure sehr, dass es somit im kommenden jahr keine begenung zwischen uns gibt. aber am bornheimer hang werde ich sein, wenn union kommt – es sei denn, die sge spielt zeitgleich. danke nochmal fürs union-aue-stadionheft und viele grüße

    beve

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