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Eiserne Derby-Nachlese

Olympiastadion Berlin2. Fußballbundesliga, Saison 2012/13, 21. Spieltag, Olympiastadion Berlin, 11. Februar 2013. Montagabend 20:15 Uhr; ausverkaufte Schüssel, über 74.000 Fußballzuschauer wollten das Spiel live erleben. Trotz Original-Übertragung auch im Free-TV, bei diesem Werbesender mit Sport-Einblendungen. Trotz Minusgraden und eisiger Kälte auf den Traversen.
Monate vorher schon, wurde der Ticketverkauf angekurbelt, die Kartenpreise verteuert. Der zum Aufstieg verdammte, heimliche Champions-League-Aspirant, braucht Geld, dringend Geld!
Es ist wieder einmal Derby-Zeit. Zweite Liga, Berlin ist dabei! Rückspiel, nach der unnötigen 1:2 Niederlage am 4. Spieltag im heimischen Stadion. Ob uns ein ähnlicher Coup gelingen könnte, wie fast auf den Tag genau, vor zwei Jahren, als wir völlig überraschend – als krasser Außenseiter – mit 2:1 gewannen und unter vielen Anhängern der alten Tante Hertha lang anhaltende Depressionswellen auslösten? Die Erwartungshaltung einiger meiner blau-weiß-affinen Bekannten war dann auch entsprechend: “Die hauen wir achtkantig aus dem Stadion und schicken sie mit einer gehörigen Packung wieder zurück in den Köpenicker Wald.” So eine Art Psycho-Snoozel-Ersatzcouch also.
Nun gut, wer sich etwas genauer mit dem bisherigen Saisonverlauf beschäftigt hatte, wusste vielleicht, dass wir Unioner zwar immer mal mit schwächeren Spielen aufwarten, aber im Gegensatz zu den vergangenen Jahren bisher keine eklatant hohen Niederlagen zu verzeichnen hatten, uns als Team kompakt und spielerisch um einiges verbessert haben. Daher konnte also meine Devise nur lauten: Wenn schon dort verlieren, dann in Würde und erhobenen Hauptes. Doch wieder einmal sollte es etwas anders kommen.
Zur Freude der sangeslustigen rot-weißen Fangemeinde konnte Simon Terrodde schon ziemlich zeitig das 0:1 erzielen, nachdem vorher bereits einige gute Spielzüge für Gefahr vor der Ostkurve sorgten. Mit Pressing, viel Laufaufwand und Kampf wurden die Hertha-Spielzüge immer wieder unterbunden. Was tatsächlich auf unser Tor kam (abgesehen von einer Großchance) war sichere Beute unseres Torhüters. Kurz nach der Pause köpfte Adam Nemec zum 0:2 ein, was die Blöcke am Marathontor in ein Tollhaus verwandelte.
Von der blau-weißen Hertha kam bis zur 60. Minute gar nicht viel: Erst einige Auswechselungen, Forcierung des kämpferischen Einsatzes bis an die Grenze des Vertretbaren (warum der Niemeyer nach seinen unfairen Attacken und zahlreichen Fouls nicht mit Rot vom Platz musste, wird wahrscheinlich nur der Schiedsrichter wissen), einhergehend mit Müdigkeitserscheinungen unserer Helden und notgedrungenen taktischen Änderungen ließen in den letzten 20 Minuten die Angriffswellen auf unser Tor zurollen. Jede Chance wurde genutzt, sich in günstige Freistoßpositionen zu bringen, einige Male auch mit unlauteren Mitteln, wie ich mir tags drauf in der Fernsehaufzeichnung anschauen konnte. Konzentrationsfehler in der Verteidigung führten dann auch zu den beiden Gegentoren. Dieser unhaltbare Ramos-Kopfstoß nach dem Eckball und dann dieser lucky punch durch Herthas Aufstiegsversicherung Ronny.
Unfassbar, da war das so toll erkämpfte 0:2 dahin. Auch ein letztes Aufbäumen in der Nachspielzeit nutzte nichts. Ich habe in all den Jahren schon einiges gesehen, aber dass ein gegnerischer Stürmer, sich plötzlich und unerwartet im eigenen Strafraum hinlegt und den „sterbenden Ramos“ mimt, diese Taktikvariante kannte ich noch nicht. Aber so kann man natürlich auch Zeit schinden und gegnerische Freistöße unterbinden.

Endstand also: Hertha „hatte die Hosen voll“ BSC gegen 1. FC „selbstbewusst“ Union Berlin 2.2

Ein weiterer Punkt für uns, das Saisonziel „Etablierung im oberen Tabellen-Mittelfeld“ zu erreichen. Und für Hertha ein weiterer wichtiger zählbarer Schritt Richtung Bundesliga-Aufstieg. Da wird wohl nichts mehr anbrennen.
Und dann können die Herthaner auch bald wieder ihren per Choreo dargebotenen Alleinvertretungsanspruch „Hertha, Hertha, Du allein, sollst der Stolz von Spreeathen sein“ ausleben. Zumindest für eine Saison.

Dem Herrn Niemeyer aber, dem sein Nervenkostüm auch im Nachgang noch etwas entglitten zu sein schien, möchte ich zurufen: Champions League spielt ihr aber weiterhin höchstens nachts auf der Play Station.

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Ein Kommentar

  1. tolles Spiel, habe es live auf DSF – Sport 1 gesehen. Zum Ende hin war bei Union etwas die Luft raus. Aber Stimmung war bis zum Schluss genial. kam gut rüber.

    Ich teile Deine Einschätzung, der Niemeier hätte rot sehen müssen und die Unsportlichkeiten in der Nachspielzeit waren schon böse. Komisch, da war der mitunter kleinliche Schiedsrichter plötzlich sehr großzügig.

    “Dem Morgengrauen entgegen” – geht da noch was nach oben?