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Osnabrück, Osnabrück – wir fahren nach Osnabrück

Eisern UnionEs gibt ja etliche Kaffs in der westlichen Diaspora, wo man nicht tot übern Zaun hängen will, die man aus touristischem Blickwinkel erst gar nicht auf’m Schirm hat. Ich meine jetzt ausdrücklich nicht Münster, Hamburg oder Heidelberg. Eher so die Orte, die ich – bedingt durch Dienstreisen meines geliebten Fußballklubs – in den letzten 20 Jahren aufsuchen durfte. Seien es nun Wuppertal oder Verl, Ahlen oder Oberhausen, Paderborn oder Emden. Von den größeren Städten a la Düsseldorf ganz zu schweigen Die Reihe ließe sich fortsetzen. Meine Eintrittskarten bescheinigen mir sogar, in der doch gar nicht existierenden Stadt Bielefeld gewesen zu sein.
In Osnabrück war ich auch schon, ein einziges Mal. Seit jenem Juni-Tag im Jahre 2000 habe ich allerdings keinen Fuß mehr in diese Stadt gesetzt.
Auf meinen Bahnfahrten, die auch Osnabrück tangierten, verdrückte ich mich bei der Ansage des Dienstpersonals “Wir erreichen jetzt Osnabrück” lieber aufs Klo oder zog die Fenstervorhänge zu, um nicht auf den Ort schauen zu müssen. So schlimm und belastend kann einem ein einschneidendes Ereignis noch Jahre später auf die Nieren schlagen.
Nun aber muss ich wieder hin. Unsere Fußballgötter spielen im DFB-Pokal um den Einzug in die nächste Runde. Ausgerechnet an die Bremer Brücke geht es, in das Fußballstadion, das aktuell den tollen Namen “Osnatel-Arena” ;-) trägt.

Kleine Rückblende: Wir befinden uns in der Regionalliga-Saison 1999/2000.
Union hatte in der Staffel Nordost alle anderen Teams deklassiert, siegte vor den nächstplatzierten Mannschaften aus Dresden und Aue mit 17 Punkten Vorsprung. Vor den Aufstieg in die zweite Fußball-Bundesliga hatte der DFB allerdings noch Qualifikationsspiele mit dem ersten der Staffel Nord – dem VfL Osnabrück – gesetzt (während die Staffelsieger Süd und West/Südwest, Reutlingen und Saarbrücken direkt aufsteigen konnten).
Aller Frust gegen den DFB half nichts, wir mussten durch die Qualifikation, waren auch guter Dinge, dass wir das schaffen werden. Unsere Fußballgötter (unter fachkundiger Anleitung des „Generals“ Wassilev) hießen damals u.a. Okeke, Persich, Ernemann, Nikol, Härtel oder Menze und hatten eine so überragende Saison hingelegt.
Selbst das 1:1 im Hinspiel, auf unserem Rasen, war in unseren Köpfen nur ein kleiner Schönheitsfehler. Mit Kampf, Geschick und lautstarker Unterstützung von den Rängen würden wir das Ding schon reißen, da im tiefsten Westfalen Niedersachsen.
Es war der 1. Juni, Himmelfahrtstag. Viele Unioner fuhren – zumeist mit Bussen und PKW’s – zur Unterstützung der Mannschaft mit. Auf der A2 flatterten fröhlich die rotweißen Schals im Fahrtwind, in den Bussen wurde auch schon das eine oder andere Siegerbier geköpft.
Rechtzeitig am Zielort, konnte man auch noch etwas die nähere Umgebung inspizieren. Im Stadion An der Bremer Brücke erwarteten uns dann nicht nur rappelvolle Ränge und ein enthusiastisches Publikum, sondern auch ein dramatisches Spiel und ein Ende voller Verzweiflung und Tränen.
Wiederum stand es nach 90 Minuten 1:1, die Verlängerung brachte ebenfalls kein Tor, so dass es zum entscheidenden Elfmeterschießen kommen musste. Und es gab ein an Turbulenz und Dramatik wohl kaum zu übertreffendes Procedere.
Seht selbst.

Video Teil 1

Video Teil 2

Verloren, 9:8 für den VfL, der damit Aufsteiger in die 2. Bundesliga war.
Im Anschluß gab es beklemmende Szenen um mich herum. Gestandene Männer, die sich mit Heulkrämpfen plagten, apathisch dreinschauende Gesichter, Leute, die ihren Tränen freien Lauf ließen. Und dann die lange unsägliche Rückfahrt erst.
Klar, auch die Mannschaft war gebrochen, hatte in den anschließenden Relegationsspielen gegen die Zweitplatzierten der Staffeln Süd und Südwest keine echte Chance mehr

Aus diesen Ereignissen abgeleitet, hat sich auch das unter Unionern gebräuchliche geflügelte Wort „Menze ist schuld“ oder „der Schuldige“ abgeleitet. Ja, Steffen Menze, der heutige Manager bei Dynamo Dresden ist gemeint.

Ich bin seit diesem Tag nicht mehr in Osnabrück gewesen. Auch nicht bei den späteren Punktspielen gegen den VfL. Diesmal aber fahre ich mit. Die Zeit ist reif!
Es muss ja nicht wieder zum Elfmeterschießen kommen.

Update 23.09.13: Irgendwie hatte ich Osnabrück zwischenzeitlich fälschlicherweise nach Westfalen verlegt. Wahrscheinlich kam mir da der westfälische Friede in den Sinn. Aber die Stadt liegt selbstverständlich in Niedersachsen. Ich bitte um Nachsicht. ;-)

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