Der 38. GutsMuths-Rennsteiglauf ist Geschichte. Eine Woche ist es nun schon wieder her, dass über fünfzehntausend Läufer, Wanderer und Walker die Berge auf dem Kammweg des Thüringer Waldes eroberten und auf unterschiedlichen Wegen dem Zielort Schmiedefeld (von Insidern gern auch als „schönstes Ziel der Welt“ bezeichnet) entgegen strebten.
Unsere kleine Sportgruppe aus Hönow, seit einigen Jahren quartiermäßig nun fest in Schmiedefeld etabliert, musste am frühen Morgen per Bus in die unterschiedlichen Startorte ausschwärmen, um dann per pedes wieder zurückkehren zu können. Kein Problem, mit dem vom Veranstalter stabsmäßig organsierten shuttle-Service. Für Uwe-Willy war die Nacht allerdings schon um drei Uhr beendet, denn er durfte bereits früh um sechs auf dem Marktplatz von Eisenach auf die Piste, um dann auf der 72,7km langen Königsstrecke (via Inselsberg, Oberhof, Schmücke) ins Ziel zu gelangen.
Wir anderen konnten diesmal etwas länger schlafen, denn als die Starts in Oberhof und Neuhaus vollzogen wurden, waren die Matadoren des langen Kantens schon einige Stunden unterwegs.
Während am Vorabend des Laufes noch lausiges Wetter mit Regen und Temperaturen um den Gefrierpunkt harte Bedingungen erwarten ließ, waren die Sorgenfalten am Morgen geglättet. Zwar kühl, aber von oben trocken und die Piste einigermaßen sicher, fast schon ideale Laufbedingungen für einen Crosslauf durchs Gebirge. Warm wird einem dann schon unterwegs. Und so entschied ich mich unmittelbar vor dem Marathonstart doch für die kurze Laufbekleidung, stand rechtzeitig genug mit den anderen dreitausend Läufern (besondere Grüße an die Freunde von Borussia Friedrichsfelde) in der Menge und schunkelte beim Schneewalzer mit. Einmalig, bei Laufveranstaltungen, hier singt man sich zum Startschuss, mit dem Rennsteiglied und anderem “einheimischen Liedgut”. Und fast alle machen mit!
So recht wusste ich nicht, wie ich den Lauf durchstehe. Zu wenige Trainingskilometer, eine lange Laufpause in der Vorbereitung, nur zwei Läufe über 25km , lediglich ein einziger Wettkampflauf von Dezember bis Mai. Aber doch auch die Erfahrung von 65 Marathonläufen und etlichen Ultras. Ankommen ist Pflicht, jedoch auch kein Problem. Also schön langsam angehen und dann mal schauen, wie weit die Kondition reicht. Getreu dem Motto „Schwach angefangen und stark nachgelassen“. Unter fünf Stunden wollte ich schon ankommen, hatte im Forum schon mal die Marke 04:44:44 angekündigt. Das kann man laufen. Die Strecke kenne ich in-und auswendig, weiß um die schweißtreibenden Anstiege ab km 30, den gefährlichen, weil rutschig-wurzeligen Abstieg nach Masserberg, den so verlockenden Verpflegungspunkt in Frauenwald mit dem Becher Köstritzer. Und Ehre ist, den letzten Anstieg zum Ziel, diese 400m mit 80m Höhenunterschied, in Würde hoch zu laufen, selbst wenn die Oberschenkel brennen und der Puls rast. Und dann nur noch Trikot und Startnummer richten und lächeln. Für das Zielfoto und die vielen Zuschauer, die jeden frenetisch anfeuern.
Während andere den Rennsteiglauf nach dem Motto „Hin, leiden, zurück“ bestreiten, beginnt für viele (und auch für uns) der zweite Marathon am Abend im rappelvollen Schmiedefelder Festzelt. Statt auslaufen eben tanzen auf Tischen und Bänken. Das Wiedersehen mit den Freunden aus dem Forum. Das gehört dazu, auch das ist Rennsteiglauf!
Unsere Resultate im Detail
Nordic Walking 17 km
Christine 02:34:44; Rang 83 Halbmarathon 21,1 km
Nika 02:00:34 Rang 296; Platz 66 WHK Rennsteig-Marathon 43,5km
Uwe 04:43:08; Rang 1604; Platz 392 M45
Rainer 04:43:09 Rang 1605; Platz 237 M50
Norbert 04:40:43; Rang 1562; Platz 232 M50 Rennsteig-Supermarathon 72,7 km
Willy 09:03:00; Rang 1152; Platz 244 M40
Herzlichen Glückwunsch allen Bezwingern des Rennsteigs!
Nun, in diesem Jahr wird der markante Spruch in der Läuferszene der Realität nicht ganz gerecht. Bereits an diesem Samstag, am 8. Mai 2010, wird der 38. GutsMuths-Rennsteiglauf über den Kammweg des Thüringer Waldes gestartet. Natürlich wieder mit einem großem, fast rekordverdächtigem, Feld von über fünfzehntausend Startern und vielen Gästen und Zuschauern. Der Rennsteiglauf ist und bleibt für viele Läufer der markante Frühjahrsklassiker. Mit den unterschiedlichen Strecken, vom Halbmarathon Oberhof-Schmiedefeld, dem (etwas verlängerten) Marathon Neuhaus-Schmiedefeld und dem Highlight, dem Supermarathon Eisenach-Schmiedefeld über 72 km, ist für jeden ambitionierten Starter etwas dabei. Auch Wanderer, Walker und selbst Handbiker kommen zu ihrem Vergnügen. Großer Beliebtheit erfreuen sich seit Jahren die Kindercrossläufe. Und alles trifft sich dann im Zielort Schmiedefeld, wo wir am Abend, zur Läuferparty im Festzelt, noch einmal zu großer Form auflaufen können. Auch hier (nicht nur auf der Piste am Vormittag) treffe ich regelmäßig Jahr für Jahr viele Freunde und Bekannte und seit einigen Jahren auch die Freunde vom Rennsteiglauf-Forum. Schaut mal etwas genauer hin, ihr erkennt den einen oder anderen bestimmt an seinem Outfit.
Warum nur, wurde vom Veranstalter der Termin „Mitte Mai“ aufs Spiel gesetzt, werde ich immer wieder gefragt. Nun, wenn man sich die Daten für die kommenden Jahre mal anschaut,
39. GutsMuths-Rennsteiglauf am 21. Mai 2011
40. GutsMuths-Rennsteiglauf am 12. Mai 2012
41. GutsMuths-Rennsteiglauf am 25. Mai 2013
42. GutsMuths-Rennsteiglauf am 17. Mai 2014
43. GutsMuths-Rennsteiglauf am 09. Mai 2015
so kann man feststellen, dass dem generell nicht so ist. Aber, das wird deutlich, der Veranstalter will dem Ansturm der Kurzurlauber zum Himmelfahrts-Wochenende im Thüringer Wald aus dem Wege gehen. Damit auch zukünftig jeder Läufer nach Möglichkeit ein Quartier in der Nähe der Wettkampforte buchen kann.
Für mich persönlich hat der frühe Termin in diesem Jahr noch einen angenehmen Nebeneffekt. Denn am Sonntag, dem 9.Mai, treffen sich die Unioner anlässlich der traditionellen Saisonabschlusstour in der Münchner Allianz-Arena zum Punktspiel gegen den TSV 1860 München. Und ich habe dann nur noch den halben Weg.
Ach ja, ihr trefft mich am Samstag auf der Marathonstrecke, zwischen Neuhaus und Schmiedefeld. Auf der „Uschi-Strecke“, wie mich ein lieber Laufkumpel aus Brandenburg kürzlich abkanzelte. Ich warte im Ziel auf Dich, Detlev, mit’m Bier in de Hand!
Ich bin rum! Als ich am Sonntag meine Laufaufzeichnungen aktualisierte, zeigte die Rubrik “Gesamt-Kilometer” die stolze Zahl 40.083.
Das heißt, bei einem Äquatorumfang von 40.075 km, habe ich also theoretisch die Erde einmal umrundet.
Seit Anfang 1987 führe ich akribisch Buch über meine Laufaktivitäten.
Nicht nur die gelaufenen Kilometer (seit einigen Jahren nun auch mit GPS-Genauigkeit), sondern auch Ort und Zeit, Wetter und einige Rahmenbedingungen notiere ich.
So kann ich beispielsweise genau rekapitulieren, mit wem ich vor etlichen Jahren Mitte Februar bei 18°C in kurzen Hosen durch die Wuhlheide gelaufen bin. Oder bei welchem der Läufe es am kältesten bzw. wärmsten war.
Die Landkarte mit den bereits erfolgreich bewältigen Laufzielen ist mittlerweile auch schon sehr gut gefüllt. Ich hoffe und wünsche, dass ich in den kommenden Jahren noch einige weitere Einträge vornehmen kann. Wie demnächst den Marathon in Barcelona oder (vielleicht im nächsten Jahr) dann auch einmal den Traum vieler Marathonläufer, den New York City Marathon.
Höhepunkt eines jeden Jahres aber ist und bleibt der Klassiker der Landschaftsläufe, der über die Kammlagen des Thüringer Waldes führt – der Rennsteiglauf.
Ein Montag, Mitte Mai, im Thüringer Wald. Die Wege oberhalb von Schmiedefeld sind verwaist. Keine Wanderer, Walker , Radler oder gar Läufer weit und breit. Vereinzelt findet man Pappbecher am Wegesrand. Ein vergessenes Schild lehnt einsam an einem Baum.
Mitte Mai ist Rennsteiglauf!
In diesem Jahr ist alles gut. Am Samstag, dem 16. Mai, pünktlich um neun, wird der 37. Rennsteiglauf-Marathon in Neuhaus am Rennweg gestartet. Und im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als ich die 73 Kilometer von Eisenach nach Schmiedefeld mit wehender Union-Fahne in der Hand lief und dann anschließend die Nachricht von der Pleite im entscheidenden Spiel um den Aufstieg vernahm, ist diesmal bereits alles in trockenen Tüchern.
So kann ich mich also voll und ganz auf den Marathon und auf die Zielparty im Schmiedefelder Festzelt einstimmen.
Ich freu mich, euch alle wiederzusehen, Petra, Ramona, Schlawiner, Sostu; Orange, Andy, Harald, Deichläufer und Co., ….
Und mit mir auch die gesamte „Hönow-Fraktion“.
Na, habt ihr die Umstellung auf die Sommerzeit auch gut überstanden? Wenn’s auch heute früh zum Läufchen etwas früher als gewöhnlich war, das machte mir gar nichts aus.
Und in der wärmenden Frühlingssonne läuft es sich gleich nochmal so gut! Davon ließen sich auch viele Lauffreunde aus Hönow und Berlin begeistern und waren früh auf den Beinen. Endlich wieder schmerzfrei laufen! Vier Wochen ging gar nichts und immer noch muss ich sehr vorsichtig sein, um nicht wieder umzuknicken.
Den Ultramarathon zum Rennsteiglauf habe ich mir inzwischen abgeschminkt, das ist trainingsmäßig zumindest für dieses Jahr nicht mehr drin. Aber beim Marathon bin ich dabei. Werde eben alles etwas geruhsamer angehen und mich im hinteren Teil des Starterfeldes vergnügen.
Die Läufer aus Hönow waren auch in diesem Jahr wieder auf den langen Laufstrecken in Europa präsent Drei von ihnen haben die nun beendete Europacup-Serie der Ultramarathonläufer erfolgreich absolviert. Dabei sind bei den einzelnen Lauf-Veranstaltungen jeweils Streckenlängen jenseits der markanten 42,195 km eines Marathons zu bezwingen. Bei der Europacupserie sind das Läufe von 50 bis 100 Kilometern.
Von den durchgeführten fünf Ultraläufen
im April: 50 km Mnisek pod Brdy, Tschechien
im Mai: 73 km Rennsteiglauf, Deutschland
im Juni: 100 km Biel, Schweiz
im September: 75 km Celje, Slowenien
im Oktober: 50 km Schwäbische Alb, Deutschland
mussten mindestens drei bis ins Ziel gelaufen werden, um in die Wertung zu gelangen.
Am letzten Wochenende, stellte Uwe Przygoda (LV Klemusch Hönow) durch sein gutes Ergebnis in Schwaben das Endergebnis noch komplett auf den Kopf und führt nun die Rangfolge der Läufer aus Hönow souverän an. Er belegte in der Europacup-Gesamtwertung den 60. Platz und wird in der AK M40 immerhin als 8. und damit unter den Top Ten geführt.
Uwe Falk wurde 115. (18. Platz in der AK M35) und Rainer Witte (beide LV “Hönower Schildkröten”) 167. (29. Platz in der AK M50).
Allen Dreien auch von dieser Stelle herzliche Glückwünsche!
Die komplette Ergebnisübersicht der 16. Serie des Europacups der Ultramarathone gibt es auf der Website des Rennsteiglaufes.
Ich hatte es versprochen. Es hat leider etwas länger gedauert. Vielen Dank für euer Interesse und die vielen Kommentare. Irgendwo war letztens zu lesen, man müsse eben ab und zu auch mal “heftig arbeiten”. Und so gings mir die Woche auch, deswegen also die Verzögerung.
Aber nun. Sicher nicht besonders gelungen und auch nicht künstlerisch wertvoll. Eben größtenteils unterwegs mit dem Handy aufgenommen. Und einige Fotos sind bestimmt auch nicht für die Öffentlichkeit. Ich stelle diese den Interessenten und auch den Betroffenen gern gesondert zur Verfügung.
Hier mal eine kleine Auswahl.
Das ist noch Tradition aus längst vergangenen Zeiten. Man erkennt sich auf der Autobahn. Die Startnummern gehören gut sichtbar ins Autofenster! Auf der Hinfahrt die selbst gestalteten aus der “Laufzeit“, zurück dann die Original-Startnummern. Und das bleibt auch so!
Unsere zwei “schnellen Hirsche” früh um halb sechs schon ziemlich munter auf dem Eisenacher Markplatz. Bald danach wurde es ernst. Wir sahen die beiden erst im Ziel wieder. Aber da waren sie schon längst geduscht und völlig erholt.
Viele bekannte Gesichter am Start, hier die Friedrichsfelder. Und auch Gabis Bericht über ihren ersten Ultralauf kann ich euch wärmstens empfehlen. Glückwunsch euch allen, die ihr wieder erfolgreich den Rennsteig bezwungen habt. Ich habe eure Ergebnisse mit Freude registriert! Das letzte steile Stück des Anstieges zum Großen Inselsberg. Bis hierhin war der Rainer noch bei uns, wie man leicht sieht. Und seine Regenpelle braucht er hier auch nicht mehr. Das Wetter war vergleichsweise gut, der Regen zu Beginn störte eigentlich wenig. Auf den folgenden Streckenabschnitten lief ich zumeist mit Willi gemeinsam über die Berge. Hier gehts Richtung Grenzadler nach Oberhof. Willi hat sich in diesem Jahr viel vorgenommen, hat fleißig trainiert und wird nun auch den Hunderter in Biel erfolgreich bewältigen. Auf den letzen Kilometern überholte ich noch etliche Läufer. Anhand der großen Kilomterschilder konnte man sich sehr gut informieren, nur das 70km-Schild war wieder nicht zu sehen. Und dann war da auch noch auf der höchste Punkt der Strecke zu bewältigen.
Vom Abend im Festzelt natürlich auch einige Schnappschüsse. So seh’n Sieger aus:
Mein persönliches Fazit dieses Laufes kann ich ganz kurz fassen: Es lohnt immer wieder, beim traditionellen Rennsteiglauf an den Start zu gehen. Einzigartig die Strecke, die Landschaft; bestens organisiert und durchgeführt von den Thüringer Sportvereinen unter Federführung der Rennsteiglauf-Offiziellen, immer wieder neu und erlebnisreich, was Eindrücke und Erfahrungen betrifft, immer wieder schön, die Freunde und Bekannten der Laufszene zu sehen und zu treffen. Und nach dem Lauf dann die wohl schönste Läuferparty weit und breit.
Selbstverständlich, es gehört schon eine intensive Vorbereitung dazu, sowohl körperlich, wie mental, um sich dieser Strapaze zu stellen und diese dann auch erfolgreich zu bewältigen.
Aber der Reihe nach.
Mein Rennsteiglauf-Resümee
Nun ist wieder Normalität eingezogen, Arbeitsalltag und gewohnter Tagetrott. Mit etwas Abstand lässt sich nun weitaus besser reflektieren, was da am Wochenende im Thüringer Wald tatsächlich abging.
Eigentlich nichts ungewöhnliches, eher vertrautes, denn es war Rennsteiglauf-Wochenende.
Ich war immerhin zum 16. Male am Start, seit 1987, zwischendurch mit Unterbrechungen, die zumeist beruflich bedingt waren. Und ein einziges Mal habe ich den Lauf auf der ultralangen Strecke nicht beenden können, das war 1995.
Aber eben doch ungewöhnlich, denn auch das können viele Rennsteigläufer bestätigen, jeder Lauf ist anders!
In diesem Jahr stand für mich persönlich die Devise an, nicht zu schnell zu laufen, auf keinen Fall die letzten Kraftreserven zu mobilisieren, denn schon vier Wochen später folgt mit dem 100km-Lauf, durch die Nacht in Biel, der dritte Ultralauf dieses Frühjahrs. Und auch meinen beiden Mitstreitern, Rainer und Willi ging es ähnlich. Wir werden auch diesen Laufklassiker gemeinsam in Angriff nehmen.
Nun aber zum Rennsteiglauf.
Alles begann schon vor längerer Zeit mit der Hiobsbotschaft, dass das vorgesehene Hotel in Eisenach bereits ausgebucht war. So mussten wir uns anderweitig umsehen und Dank Petras Unterstützung kamen wir in Neustadt (exakt am km 29 der Marathonstrecke) unter, reisten schließlich mit zehn Leuten an. Neustadt liegt strategisch einigermaßen günstig, man kommt mit Auto und auch mit den vom Veranstalter bereitgestellten Bussen relativ gut in die Startorte (Oberhof, Neuhaus, Eisenach) und vom Zielort Schmiedefeld sind es dann am Abend auch nur ca. zehn km.
Start beim Supermarathon, früh sechs Uhr, heißt: Um drei Uhr aufstehen, frühstücken, nach Eisenach fahren (diesmal nicht mit dem Bus, sondern Willi wollte unbedingt selbst mit dem, Auto fahren, was uns ungefähr zusätzlich10 Minuten längeren Schlaf brachte), halb sechs in Eisenach mit den Startvorbereitungen beginnen. 1800 Rennsteigläufer stehen zu einer Tageszeit auf dem Marktplatz, wo nebenan aus den Kneipen gerade die volltrunkenen studentischen Burschenschaften rausfallen.
Und (fast) alle aus der Laufszene sind wieder da: Ramona, mit ihren Streakrunner-Freunden, Detlev aus Brandenburg mit seinem Laufverein (diesmal lief er den Ultra gemeinsam mit seiner Frau – herzlichen Glückwunsch euch beiden!!!) die Friedrichsfelder, die mit Neuling Gabi vertreten waren, Andreas aus Berlin, der unbedingt die 6h-Marke knacken wollte, Hans-Jürgen aus Pasewalk, Roland Winkler, und und und …
Bärbel und Uwe verabschiedeten sich dann bald und reihten sich vorn ein, während wir (Rainer , Willi und ich) doch eher aus hinterer Position ganz gemächlich auf die Piste gingen.
Es ist schon angenehm warm früh um sechs. Die Karawane schlängelt sich durch Eisenachs Straßen hinaus in den Wald zum Rennsteig hinauf. Vorbei am Burschenschaftsdenkmal, durch Wiesen und Wälder immer bergauf. Gleich auf den ersten Kilometern kommt man ins Schwitzen. Die erste Getränkestelle wird dankend angenommen. Endlich, an der Hohen Sonne ist der Kammweg erreicht. Nun geht es etliche Kilometer auf welligem Terrain weiter, immer leicht aufwärts. Das Laufen fällt leicht. Erst recht, als dann leichter Nieselregen einsetzt. Nur nicht zu schnell angehen, ist meine Devise. Und so laufen wir zu dritt Richtung Venetianerstein und Inselsberg. Der Regen verstärkt sich, wir stülpen unsere „Plastenerze“ über. Die Wege sind aufgeweicht und glitschig geworden. Die Anstiege werden wieder steiler. Plötzlich meint jemand: „Jetzt schunkeln sie in Neuhaus den Schneewalzer“. Ich kann mich gut erinnern, wie kurz vor neun beim Start zum Rennsteig-Marathon durch die Marathon-Läufer die Ultras gefeiert wurden, die da schon fast drei Stunden unterwegs sind.
Und diesmal steht dort auch Kai am Start, zu seinem ersten Rennsteig-Marathon. Er hat sich mit Petra verabredet, beide wollen ein Stückchen gemeinsam laufen.
Letzter Anstieg vor dem Inselsberg. Der Regen hat nachgelassen. Fotos werden geschossen. Kurz darauf geht’s steil bergab zum Brotteroder Verpflegungspunkt am Kleinen Inselsberg.
Hier gibt’s nun auch den legendären Haferschleim, der auf der Strecke in verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten wird. Die Verpflegung ist wie immer phänomenal. Neben den absolut lauftypischen Dingen, wie Wasser, Äpfel, Bananen, Rosinen, gibt es beim Rennsteiglauf auch warmen Tee, Cola belegte Brote und eben den berühmten leicht verdaulichen Schleim. Sogar heiße Würstchen und Thüringer Bratwurst sind an der Ebertswiese im Angebot … (aber wohl eher für die Wanderer).
Etwas weiter stoßen auch die Walker, aus Schnepfenthal kommend, auf die Strecke. Bis zum Grenzadler in Oberhof sind sie nun (grüppchenweise) unsere ständigen Begleiter. Toll, was da einige leisten! Immerhin sind sie auch über 35km unterwegs.
Unterwegs immer wieder Begegnungen mit Fußballfreunden (Unioner Thomas , aus Dresden, aus München, ein Brandenburger im “Totti“-Trikot), die mich wegen der Union-Fahne ansprechen und mit denen ich kilometerlange Wege gemeinsam zurücklege.
Sonja, die Wuhletalläuferin, läuft kurz vor der Ebertswiese (hier ist Halbzeit: km 37,5) auf.
Sie hat sich kurzentschlossen auf die lange Strecke umgemeldet, will den Rennsteig einmal von dieser Seite her genießen.
„Hallo, der Hönower“, ruft sie. Wir kommen gleich ins Gespräch und freuen uns schon auf die abendliche Fete im Schmiedefelder Festzelt.
Rainer hat sich zwischenzeitlich zurückfallen lassen. Willi und ich laufen gemeinsam gleichmäßiges Tempo. An den härteren Anstiegen, wie an der Schmalkalder Loibe und am Sperrhügel, wird natürlich auch einmal gegangen. Es hat sich inzwischen merklich abgekühlt, hier in der Höhe. Für mich aber ideal bei dieser Anstrengung. Ab und zu lugt die wärmende Sonne heraus, die abwechslungreiche Landschaft gewährt tolle Fernblicke.
In Oberhof am Grenzadler (km 54) ist großer Bahnhof. Das Ziel der Walker befindet sich hier, ebenso der Kontroll- und Zeitmesspunkt für uns. Natürlich auch ein riesiges Verpflegungszelt. Wer will, kann hier offiziell aussteigen, bekommt seine Urkunde und Wertung für diesen Laufabschnitt. Selbstverständlich will keiner!
Wer nicht verletzungsbedingt aufgeben muss, der läuft weiter, wenn es mitunter auch schwer fällt. Und einige Anstiege kommen ja noch.
Warme Brühe gibt’s hier. Mit einem Becher Suppe und einem mit Tee in den Händen lasse ich mich auf einen Stuhl plumpsen und vier Hände massieren sofort die harten Waden. Angenehm.
Willi ist inzwischen durch und wieder im Wald Richtung „Großer Beerberg“ davon. Bald darauf hole ich ihn wieder ein.
Mittlerweile weiß ich, dass die avisierte Zielzeit von achteinhalb Stunden wegen meiner Futtererei, Trödelei, Fotomanie nicht mehr zu erreichen ist, wenn ich nicht sofort und nachhaltig beschleunige. Aber gerade das will ich ja nicht. Also zuckeln wir Richtung Beerberg, passieren den höchsten Punkt der Strecke (964m) und am folgenden Verpflegungspunkt ist Willi plötzlich wieder weg. Ich sehe ihn noch einmal am Ausblick auf die Schmücke und dann wieder im Ziel. Ich laufe nun nicht mehr zu ihm auf, sondern mein eigenes gleichmäßiges Tempo weiter, überhole noch etliche Läufer.
Das Kilometerschild 65 wird passiert, am „Mordfleck” geht’s schnell vorbei, der nächste Verpflegungspunkt, der „Bierfleck“ wird angekündigt. Hier wird tatsächlich dunkles Bier ausgeschenkt und etliche nehmen sich die Zeit für einige Schlucke.
Weiter geht’s, zumeist bergab Richtung Schmiedefeld. Bald müsste doch das 70km-Schild kommen. Mein Garmin sagt mir auch, dass es eigentlich schon lange zu sehen sein müsste. Beim letzten Lauf hatte ich es schon verzweifelt gesucht. Diesmal muss ich es doch sehen. Nichts! Wenige Minuten später taucht die große 71 auf. Besonders originell finde ich das zwar nicht, aber scheinbar ist es tatsächlich so gewollt.
Nun nur noch nach Schmiedefeld hinein. Durch den großen Bogen, der den letzten Kilometer einläutet, der erinnert an den flamme rouge bei den Radprofis. Dann die 72, der Stadionsprecher ist schon zu hören.
Auf der Zielgeraden werde auch ich aufgerufen, nun nur noch Freude!
Freude auch nach dem Ziel, denn Kai und Petra sind gerade von der Marathonstrecke rein und auch Willi erwartet mich. Nika und Undine freuen sich mit uns und wenig später auch darüber, dass Rainer gesund und munter eintrudelt.
Ja, alles richtig gemacht! Mir geht’s richtig gut. Das kann so auch noch 27 Kilometer weitergehen, dann in Biel.
Bei 09:05:32 bleibt die Uhr für mich stehen. Keine überragende Zeit, aber ich bin hier auch schon weitaus geschlauchter (und auch schon einmal mit schlechterer Zeit) angekommen. Und auf die kam es diesmal wirklich nicht an.
Viel Zeit noch bis zum Abend im Festzelt. Duschen, Essen, Massage. Viel Freude im Rennsteiglauf-Vereinstreff bei Kaffee und Kuchen. Auch das eine oder andere Köstritzer wird geköpft. Nun lerne ich weitere Läufer persönlich kennen, mit denen ich bisher nur virtuell, im Rennsteiglaufforum, kommunizierte.
Der Abend im Festzelt ist dann ein wie ein weiterer Marathon. Prallgefüllt und Stimmung bis zum Abwinken. Selbst vor dem Zelt wird getanzt.
Wir haben diesmal für die Aktiven des Rennsteiglaufforums einen gesonderten Tisch organisiert und können erstmals gemeinsam feiern.
So kann man sich doch noch etwas kennenlernen. Und diese tollen Typen, die seit geraumer Zeit aktiv im Forum mittun, von Angesicht zu Angesicht, das ist schon wunderbar. Ich denke und hoffe, hier ist eine neue Tradition geboren!
An Unterhaltung ist bei dem Krach kaum zu denken. Alles tanzt auf Bänken und Tischen, mit einer Hingabe, als wenn die sich alle drei Tage lang ausgeruht, und nicht gerade einen Marathon oder mehr in den Beinen hätten. Aber das ist eben auch Rennsteiglauf!