Verrückt nach Union
Geschrieben von: Der Hönower in Eisern Union, tags: 1. FC Union Berlin, Alte Försterei, FC St. Pauli, Wuhlheide
Sonntag früh in der Wuhlheide. Es ist noch dunkel. Nur die Notbeleuchtung im Stadion An der Alten Försterei weist den Weg. Von fern sind Stimmen zu hören. Dann erblickt man alsbald einige kleine Feuerchen, die in mitgebrachten Holzkohlegrills glimmen. Menschentrauben drumherum. Schemenhaft erkennt man dahinter eine lange Menschenschlange. Neuankömmlinge werden durchgewunken, stellen sich ganz hinten an.
Ost-Nostalgieparty? Gibt’s was umsonst? Vielleicht gar Bananen? Witze machen die Runde, als gelernter DDR-Bürger stellte man sich ja durchaus einfach mal an eine Schlange an, ohne genaueres zu wissen. Es könnte ja sein, dass es wieder einmal etwas gibt, was sonst nicht zu haben ist.
Hier gibt es tatsächlich etwas! Jeder, der sich zu früher Stunde hier eingefunden hat, weiß genau, was er will. Die ersten haben sich anscheinend schon kurz nach Mitternacht auf den Weg gemacht.
Der 1. FC Wundervoll hat seine nach auswärts reisenden Mitglieder einbestellt. Die Tickets für das Punktspiel beim anderen Kultclub dieser Liga, dem FC St. Pauli, werden heute verkauft. Jeder bekommt genau eine Karte, kann ggf. noch mit Vollmacht und Beglaubigung ein zweites Ticket für einen weiteren Unioner erwerben. Solange der Vorrat reicht!
Zurzeit wird gebaut am Millerntor. Sechstausend Zuschauer weniger wie sonst, können dort nun die Spiele verfolgen. Klar dass auch das Kartenkontingent für die Gästefans limitiert ist. Und das nun ausgerechnet zu dem Spiel, zu dem sich eigentlich fast alle Eisernen Fans auf den Weg machen würden.
Es geht lustig zu in der „post-sozialistischen Wartegemeinschaft“. Der Stadion-Caterer hat wohl noch nie so früh am Morgen solche Unmengen von Bier, Kaffee, Würsten und Schmalzstullen vertickert.
Wartemarken werden verteilt. So weiß zumindest jeder, dass er noch in den Genuss der Karten kommen kann. Vorausgesetzt, er hat seinen Mitgliedsausweis dabei und auch alle Beiträge bezahlt.
Das wird von einigen Säumigen gleich an Ort und Stelle nachgeholt. Erklärt auch, warum es mitunter sehr schleppend voran geht.
Glücklicherweise spielt das Wetter mit. Die Novembersonne blinzelt. Und noch am Mittag um halb eins hat sich die Schlange nicht gelichtet.
Verrückt sind sie ja wirklich, die Unioner. Eisern eben.
Schicke Bilder von dieser einzigartigen Aktion gibt’s, wie immer von Tobi bei UNVEU
Tags:1. FC Union Berlin, Alte Försterei, FC St. Pauli, Wuhlheide





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